PANDA-Studie zur Depression | Neuro-Depesche 10/2019

Ist Sertralin in der hausärztlichen Praxis überhaupt wirksam?

Zertifizierte Fortbildung
Obwohl Depressionen in der Regel vom Hausarzt behandelt werden, wurden die meisten Antidepressiva-Studien mit Patienten psychiatrischer Einrichtungen durchgeführt. Jetzt wurde die klinische Wirksamkeit des SSRI Sertralin in der PANDA-Studie bei Patienten der Grundversorgung untersucht. In diesem Setting erscheint die antidepressive Wirksamkeit des SSRI zweifelhaft. Es stellten sich aber andere positive Effekte ein.
PANDA ist eine pragmatisch orientierte, randomisierte und Placebo-kontrollierte Doppelblindstudie an 179 Einrichtungen der Grundversorgung in Bristol, Liverpool, London und York. Die Teilnehmer (18 - 74 Jahre; 59 % Frauen) hatten in den letzten zwei Jahren unter schwerwiegenden oder anhaltenden depressiven Symptomen gelitten. Von 655 zwischen Jan. 2015 und Aug. 2017 rekrutierten und randomisierten Patienten wurden die primären Endpunktanalysen bei 550 Patienten durchgeführt (266 in der Sertralin-, 284 in der Placebo-Gruppe).
Im primären Endpunkt fand sich kein Hinweis darauf, dass 100 mg/d Sertralin zu einer klinisch relevanten Verringerung der depressiven Symptome führte: Der durchschnittliche Score des Patient Health Questionnaire mit 9 Items (PHQ-9) betrug nach sechs Wochen 7,98 in der Sertralin- und 8,76 in der Placebo-Gruppe (p = 0,41). Nach 12 Wochen war der PHQ-9-Wert unter Sertralin mit 6,90 vs. 8,02 Punkten (p = 0) nur etwas günstiger. Allerdings fielen die Raten einer Remission zugunsten des SSRI aus (Odds Ratio in Woche 12: 1,75).
Signifikante und klinisch relevante Veränderungen gab es in den sekundären Endpunkten. So verringerten sich unter Sertralin die Angstsymptome (nach dem Generalised Anxiety Disorder Assessment mit 7 Items) nach sechs und 12 Wochen stärker als unter Placebo (p < 0,0001). Zudem verbesserten sich die psychische (aber nicht die physische) Lebensqualität (nach Short-Form Health Survey mit 12 Items; p < 0,0002).
Außerdem stieg das Wohlbefinden: Ein signifikant höherer Anteil der Patienten fühlte sich unter dem SSRI „besser“ (p < 0,0001). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die Autoren dieser größten Pharma-unabhängigen Studie kommen trotz der schwachen Evidenz für eine antidepressive Wirksamkeit zu dem Schluss, dass Sertralin bei einem breiteren Spektrum von depressiven Patienten als bisher eingesetzt werden kann. Begründet wird dies durch die deutliche Reduktion der Angstsymptome und die Besserung von Lebensqualitätsaspekten sowie des Wohlbefindens.
Quelle: Lewis G et al.: The clinical effectiveness of sertraline ... Lancet Psychiatry 2019 [Epub 19. Sept.; doi: 10.1016/S2215-0366(19)30366-9]
ICD-Codes: F32.9

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