FOCUS RCT | Neuro-Depesche 5-6/2019

Ist die CBT bei Clozapin-resistenten Patienten wirksam?

Zertifizierte Fortbildung

Inwieweit Patienten, die auch auf das Reserve-Antipsychotikum Clozapin nicht ansprechen (CRS), von einer kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) profitieren, wurde jetzt in der vom Health Technology Assessment-Programm des National Institute for Health Research (NIHR) finanzierten Studie FOCUS RCT geprüft.

Die Studie Focusing on Clozapine Unresponsive Symptoms (FOCUS) war eine randomisierte, Outcome-verblindete Parallelgruppen- Studie. Die CRS-Patienten im Alter von ≥ 16 Jahren wurden entweder zu einer CBT von bis zu 30 h über neun Monate (n = 242) oder einem Treatment as Usual (TAU) als Kontrollintervention (n = 245) randomisiert. Primärparamater war der Gesamtscore der Positive and Negative Syndrome Scale (PANSS) nach 21 Monaten.
88 % der Patienten absolvierten ≥ 6 Sitzungen. Obwohl die PANSS-Gesamtpunktzahl am Ende der Behandlung (nach neun Monaten) im CBT-Arm signifikant niedriger ausfiel als im TAU-Arm (-2,40 Punkte, 95 %-KI: -4,79 bis -0,02 Punkte; p = 0,049), ergab sich im PANSS-Gesamtwert nach 21 Monaten als primärer Endpunkt zwischen den Gruppen kein signifikanter Unterschied: Er war im CBT-Arm lediglich um 0,89 Punkte niedriger als im TAU-Arm (95%-KI: -3,32 bis 1,55 Punkte; p = 0,475). Dieses Ergebnis traf im Wesentlichen auch auf alle Subgruppen-Analysen zu.
Kleine, aber signifikante Effekte zugunsten der CBT fanden sich zu Therapieende u. a. in Positivsymptomatik, emotionalem Stress und akustischen Halluzinationen. Über die 21 Monate traf dies auch auf die selbstbeurteilte Krankheitserholung, die emotionale Belastung durch Wahn und die Verbesserung des globalen Zustands nach Clinical Global Impression (CGI-I) zu.
Nach der fünfstufigen Skala EuroQol- 5D-5L) ging die CBT mit einem Netto-Gewinn von 0,052 QALYs einher. Durch die Inanspruchnahme gesundheitlicher Ressourcen verursachte sie gegenüber der TAU allerdings zusätzliche Nettokosten von £5.378. Primär- und Sensitivitätsanalysen von Kosten, Wirksamkeit und Akzeptanz ergaben für die CBT keine Kosteneffektivität (Wahrscheinlichkeit dafür < 50 %). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Clozapin gilt als Reserve-Antipsychotikum für Menschen mit mangelndem Ansprechen auf die First-line-Therapien. Bei Clozapin-Resistenz existiert kaum Evidenz für die klinische Wirksamkeit pharmakologischer oder psychologischer Interventionen. Jetzt zeigt FOCUS RCT einen leichten Benefit für die Patienten in Form eines QALY-Gewinns, der aber kostenmäßig verhältnismäßig teuer erkauft wurde. Daher kann die CBT bei CRS nicht generell empfohlen werden. Auch wenn keine Subgruppen identifiziert wurden, die besonders von der CBT profitiert hätten, betonen die Autoren, dass die CBT bei einigen (unter pragmatischen Gesichtspunkten ausgewählten) CRS-Patienten dennoch sinnvoll sein könnte.

Quelle:

Morrison AP et al.: Cognitive-behavioural therapy for clozapine-resistant schizophrenia: the FOCUS RCT. Health Technol Assess 2019; 23(7):1-144

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