| Neuro-Depesche 9/2010

Initiale Anfallszeichen bei Temporallappenepilepsie

Initiale Anfallsmerkmale bei Patienten mit Temporallappenepilepsie können u. a. frühzeitig auf die Lokalisation des epileptogenen Fokus hinweisen. In einer deutschen Studie wurden nun EEG-dokumentierte Anfälle erwachsener Patienten hinsichtlich eventueller initialer Anfallszeichen analysiert.

In der Studie wurden die EEG-dokumentierten Anfälle erwachsener Patienten mit refraktärer TLE mesialen oder extramesialen Ursprungs im Hinblick auf die initialen Anfallszeichen untersucht.

Bei Berücksichtigung des gesamten Patientenkollektivs fiel auf, dass Anfälle mesialen Ursprungs mit nur wenigen iktalen Zeichen beginnen. Sind sie links mesial lokalisiert, stehen sie in Relation mit entweder Aura, Verhaltensarrest und Starren oder dystoner Körperhaltung. Bei rechts mesialer Lokalisation liegt ein Bezug zu einer Aura, oralen Automatismen, stereotypen Bewegungen oder Drehbewegung des Kopfes zur ipsilaterale Seite vor.

Im Gegensatz dazu setzen extramesial lokalisierte Anfälle mit mehr iktalen Zeichen ein. Dazu gehörten u. a. Aura, Ruhelosigkeit, Verhaltensarrest, Starren, orale Automatismen, sterotype Bewegungen, Augenbewegungen zur ipsilateralen Seite, Lachen und Handautomatismen.

Die Bestimmung der ersten Anfalls­zeichen oder das Auftreten von Aura gemeinsam mit einem ersten Zeichen kann also wichtige Informationen über die Lokalisation des epileptischen Herdes liefern, insbesondere über einen mesialen oder extramesialen Fokus. GS

?! Der Erfolg eines chirurgischen Eingriffs bei TLE basiert auf einer sorgfältigen und strikten Patientenselektion. Dabei wird u. a. auf einheitliche prächirurgische Befunde bezüglich der Anfallssemiologie des einzelnen Patienten Wert gelegt. Ihre Analyse kann ausschlaggebend für die Planung sein, wenn sie zusätzliche Informationen zur Lateralisation und Lokalisation des epileptischen Fokus liefert.
Quelle: Hoffmann, JM: Analysis of the initial ictal phenomenon in patients with temporal lobe epilepsy., Zeitschrift: SEIZURE, Ausgabe 19 (2010), Seiten: 217-221

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