Metaanalyse zu Patienten mit Panikstörung versus Gesunde

Neuro-Depesche 7-8/2022

Induziert Koffein Angst und Panikattacken?

Der Konsum vom Koffein kann Angst induzieren und – besonders bei Patienten mit Panikstörung – zu Panikattacken führen. Bislang fehlte jedoch eine Zusammenschau über das Ausmaß der Effekte und mögliche Dosis-Wirkungs-Beziehungen. Dazu wurde jetzt eine systematische Prüfung der Studienlage mit Metaanalyse durchgeführt.
Zehn verblindete Placebo-kontrollierte Studien zur experimentellen akuten Koffein- Provokation von Panikattacken und/oder subjektiver Angst bei Erwachsenen mit Panikstörung und Gesunden erfüllten die Einschlusskriterien.
In den neun Studien, in denen Panikattacken bei 237 Patienten untersucht wurden, entwickelten nach Koffein (meist 480 mg, teils bis zu 750 mg) 51,1 % eine Attacke, aber niemand nach Placebo. In sechs dieser Studien wurden 128 Patienten mit 115 gesunden Kontrollpersonen verglichen: Hier lag die Rate an Panikattacken nach Koffein-Exposition bei 53,9 % vs. 1,7 % bei den Kontrollen (log RR: 3,47; 95 %-KI: 2,06 - 4,87).
 
Angstzustände in beiden Gruppe
Ebenfalls in sechs Studien, in denen die subjektive Angst bei 121 Patienten und 111 Kontrollen untersucht worden war, wurden in beiden Gruppen vermehrt Angstzustände ausgelöst. Diese waren allerdings bei den Patienten deutlich häufiger aus als bei den Kontrollen (Hedges’g; 1,94 [95 %-KI: 1,19 - 2,69] vs. 0,91 [95 %- KI: 0,46 - 1,36]).
Insgesamt verhinderten, so die Autoren, die geringe Zahl an Studien, in denen eine andere Koffeindosis als 480 mg verwendet worden war, eine sinnvolle Analyse einer Dosis-Wirkungs-Beziehung. HL
Kommentar
Die Metaanalyse bestätigt, dass Koffein in Dosen, die ungefähr 5 Tassen Kaffee entsprechen, bei Patienten mit Panikstörung und gesunden Personen Angst auslösen kann. Dabei waren die Patienten deutlich anfälliger für koffeininduzierte Panikattacken. Mit der Einschränkung, dass über die Effekte geringerer Dosen (< 480 mg) wenig bekannt ist, sollten Patienten mit Panikstörung im Behandlungsalltag über (zu starkem) Kaffeekonsum aufgeklärt bzw. davor gewarnt werden. Zudem sollten, so die Autoren, die Rolle der wichtigsten Koffein-Targets, den Adenosin-A1- und -A2A-Rezeptoren, sowie ihre Wechselwirkungen mit anderen Rezeptoren in verschiedenen Hirnregionen aufgeklärt werden.
Quelle: Klevebrant L, Frick A: Effects of caffeine on anxiety and panic attacks in patients with panic disorder: A systematic review and meta-analysis. Gen Hosp Psychiatry 2022; 74: 22-31
ICD-Codes: F41.0
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