Psychologische Schmerztherapie | Neuro-Depesche 2/2001

Imaginationsübungen statt Medikamente?

Eine gruppentherapeutische Behandlung mit Vorstellungsübungen erbrachte bei Cephalgien deutliche Veränderungen in der Bewältigung von Schmerzepisoden. Besonders hervorzuheben ist dabei die Halbierung der Konsumhäufigkeit von Analgetika.

An der Untersuchung nahmen zunächst 40 Schmerzpatienten teil, auswertbar waren letztlich aber nur die Daten von 21 Untersuchungspersonen. Von den 15 Frauen und sechs Männern litten sechs Patienten an Migräne, bei sieben Personen lautete die Diagnose des behandelnden Arztes Spannungskopfschmerz, bei acht kombinierter Kopfschmerz. Das Alter der Untersuchungspersonen lag zwischen 23 und 66 Jahren; an Kopfschmerzen litten die Patienten seit zwei bis 56 Jahren. Die gruppentherapeutische Behandlung, die nach einer achtwöchigen Baseline-Phase erfolgte, umfasste einen Zeitraum von 13 Wochen. Es fanden wöchentliche therapeutische Sitzungen statt, in denen im Anschluss an ein Entspannungsverfahren zwei bis drei Imaginationsübungen durchgeführt wurden. Anschließend erfolgte eine achtwöchige Follow-up-Phase. In den gesamten 29 Wochen führte jeder Patient ein Schmerztagebuch, bearbeitete vor und nach der Behandlung Fragebögen zu schmerzbezogenen Selbstinstruktionen und Kontrollüberzeugungen. Erfasst wurden ferner Coping-Strategien sowie Selbstwirksamkeitsüberzeugungen. Zudem war jeder Patient angewiesen, seine aktuellen Gedanken während einer Schmerzattacke zu protokollieren. Die Schmerztagebücher und anonymisierten Gedankenprotokolle werteten geschulte Raterinnen nach einem eigens hierfür entwickelten Kategoriensystem aus. Als interessante Ergebnisse konnten festgehalten werden: Die Häufigkeit des Medikamentenkonsums halbierte sich bei den Patienten nach der Behandlung. Ebenso waren Katastrophengedanken erheblich reduziert; die Hilflosigkeit gegenüber den Kopfschmerzen nahm entscheidend ab. Auch beurteilten die Patienten ihre Fähigkeiten, Schmerzen zu verhindern, nach der Therapie als besser. Der Anteil von positiven schmerzbezogenen Gedanken nahm zu, während negative schmerzbezogene Gedanken deutlich abnahmen. Dabei hängt die vermehrte Äußerung von positiven Gedanken mit einer objektiven Reduktion der Schmerzhäufigkeit und einer gesteigerten Selbstwirksamkeit beim Patienten zusammen. (kr)

Quelle: Peters, G: Gedankenprotokolle vor und nach einer psychologischen Schmerztherapie mit Imaginationsübungen, Zeitschrift: PSYCHOTHERAPIE, PSYCHOSOMATIK, MEDIZINISCHE PSYCHOLOGIE, Ausgabe 50 (2000), Seiten: 391-395

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