Forschungsprojekt des KKNMS | Neuro-Depesche 5-6/2019

IgG im Liquor als MS-Biomarker?

Für die MS existiert bislang kein zuverlässiger Biomarker zur Abschätzung von Krankheitsaktivität und Verlauf. Jetzt zeigte eine Arbeitsgruppe der TU München, dass das Vorliegen einer intrathekalen Immunglobulin-G-Synthese erlaubt, eine frühe und ausgeprägte Behinderungsprogression zu prognostizieren.
In die Nationale MS-Patientenkohorte des KKNMS wurden zwischen Aug. 2010 und Nov. 2015 insgesamt 1.376 Patienten aus 18 Studienzentren eingeschlossen. Nach Ausschluss aller Teilnehmer ohne Liquorbefunde oder EDSS-Daten konnten 673 Patienten ausgewertet werden (mittleres Alter initial 34 Jahre; 68,2 % Frauen). Zu Studienbeginn hatten 319 Patienten (47,4 %) eine CIS- und 354 (52,6 %) eine MS-Diagnose. 88,6 % wurden leitliniengerecht mit einem immunmodulierenden Medikament behandelt. Eine EDSS-Verschlechterung war definiert als +1,5 Punkte bei einem Ausgangs-EDSS von 0, von +1,0 Punkte bei einem initialen EDSSWert von 1,0 bis 5,0 und von +0,5 bei einem Ausgangs-EDSS > 5,0.
Eine intrathekale IgG-Synthese (58,2 % der Patienten) ging der multivariaten Regressionsanalyse zufolge mit einem doppelt so hohen Risiko für eine EDSS-Verschlechterung nach vier Jahren einher (Odds Ratio: 2,02; 95 %-KI: 1,15 - 3,58; p = 0,01). Dieser Zusammenhang (als primärer Endpunkt) war unabhängig von der Schubinzidenz und der Art der verlaufsmodifizierenden Therapie.
Der Kaplan-Meier-Analyse zufolge bestand auch ein Zusammenhang mit einer früheren Verschlechterung: Nur vier Jahre nach Studienbeginn hatte sich eine Behinderungsprogression bei 28,4 % der Patienten mit IgG-Synthese eingestellt, aber nur bei 18,1 % der Patienten ohne diesen Liquorbefund.
Für IgM oder IgA (die bei 21,7 % bzw. 8,8 % der Patienten vorlagen) und auch andere routinemäßig bestimmte Liquorparameter als exploratorische Endpunkte der Studie fanden sich mit der EDSS-Verschlechterung keine Zusammenhänge. HL

Kommentar

Trotz großer Fortschritte in der MS-Therapie fehlen prognostische und prädiktive Marker für eine optimale Behandlungswahl, für das Monitoring, eine Beurteilung des Ansprechens und der Prognose. Die intrathekale IgG-Synthese scheint bei MS-Patienten ein nützlicher Biomarker für die Behinderungszunahme zu sein. Sie könnte damit vor allem frühe Therapieentscheidungen unterstützen. Der prognostische Wert über die überblickten vier Jahre hinaus ist, räumen die Autoren ein, allerdings unbekannt.

Quelle: Gasperi C et al. für das Krankheitsbezogene Kompetenznetz Multiple Sklerose (KKNMS): Association of intrathecal immunoglobulin G synthesis with disability worsening in multiple sclerosis. JAMA Neurol 2019 [Epub 29. Apr.; doi: 10.1001/ jamaneurol.2019.0905]

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