Deutsche PRADA-Studie | Neuro-Depesche 11-12/2019

Hohe ADHS-Prävalenz unter Unfallopfern

Zertifizierte Fortbildung
ADHS-Patienten haben bekanntlich ein erhöhtes Risiko für Unfälle und Verletzungen. An den Universitätskliniken Frankfurt und Würzburg wurde im Rahmen der Studie Prevalence of ADHD in Accident victims (PRADA) die Häufigkeit einer ADHS unter Unfallopfern bestimmt. Außerdem wurde nach ADHS-spezifischen Unfallmechanismen gesucht.
Bei 905 auf der Unfallchirurgie behandelten Erwachsenen fand sich anhand der Adult ADHD Self-Report Scale (ASRS v1.1) eine ADHS- Prävalenz von 6,18 % (n = 56), nach weiterer Diagnostik von 4,88 %, also dem 1,6-Fachen in der der Bevölkerung.
Die Teilnehmer mit ADHS waren signifikant jünger als die Kontrollen (40,7 vs. 48,6 Jahre; p < 0,0001) und wiesen häufiger eine psychiatrische Komorbidität auf (u. a. Angststörungen, Anpassungsstörungen, Schizophrenie, chronische Schmerzen: adjustiert nur signifikant für Substanzmissbrauch; p < 0,0001). Sie erhielten häufiger Sedativa und andere Psychopharmaka (p < 0,0001).
Die Personen mit ADHS berichteten häufiger über mehrere Unfälle in der Anamnese (p < 0,0001). Sie wiesen eine signifikant höhere Wahrscheinlichkeit auf, zum Unfallzeitpunkt Alkohol oder Drogen konsumiert zu haben (je p < 0,0001). Zum Unfallgeschehen berichteten sie im Vergleich zur Nicht ADHS-Gruppe u. a. signifikant häufiger, abgelenkt und gestresst zu sein. Schlafmangel/ Müdigkeit lag bei ihnen aber nur tendenziell häufiger vor (p= 0,058). Nach Mehrfachadjustierung waren in der Gruppe der ADHS-Unfallopfer nur übersteigertes Selbstvertrauen und „in Gedanken sein“ als ursächliche Unfallumstände signifikant häufiger als bei den Kontrollen. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die hohe Prävalenz einer (zumeist unbehandelten) ADHS in dieser Stichprobe legt nahe, dass ein allgemeines ADHS-Screening bei Patienten auf der Unfallchirurgie hilfreich sein könnte, Erkrankte zu identifizieren. Damit könnte bei ihnen – mittels gezielter Psychoedukation und ggf. auch einer Stimulanzien-Behandlung – weiteren Unfällen und Verletzungen vorgebeugt werden.
Quelle: Kittel-Schneider S et al.: Prevalence of ADHD in accident victims: results of the PRADA study. J Clin Med 2019; 8(10): pii: E1643 [Epub 8. Okt.; doi: 10.3390/jcm8101643

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