Kognition bei STN-Stimulation

Neuro-Depesche 10/2005

Höhere Flexibilität auf Kosten der Reaktionshemmung?

Die tiefe Hirnstimulation (Deep brain stimulation; DBS) des Nucleus subthalamicus (STN) ist eine effektive Methode zur Behandlung der motorischen Symptomatik bei M. Parkinson in Spätstadien. Die langfristigen Effekte auf die Kognition der Patienten sind aber noch weitgehend unbekannt bzw. werden kontrovers diskutiert. Nun wurden an der Universitätsklinik Kiel die Kurz- und Langzeitauswirkungen der STN-DBS auf die kognitiven Fähigkeiten geprüft.

23 Parkinson-Patienten wurden sechs bis zwölf Monate nach der bilateralen Elektroden-Implantation umfassend auf ihre kognitiven Leistungen, die exekutiven Funktionen und die motorischen Symptome untersucht. Die neuropsychologische Testbatterie umfasste den Digit-span-Test, die Wortflüssigkeit sowie den Stroop-color-Test und eine Random-number-generation-Aufgabe, die entweder einfach oder bei gleichzeitigem Kartensortieren ("Dual task") durchgeführt wurde. Die weiterhin mit dopaminergen Medikamenten behandelten Patienten wurden bei randomisiert an- oder abgeschalteter Stimulation getestet. Im Stimulations-Off betrugen die UPDRS-Werte 18,8, im Stimulations-On 11,5 Punkte. Nach Beginn der Stimulation besserten sich die Leistungen in der einfachen "Random number generation" durch die effektivere Unterdrückung gewohnheitsmäßiger Antwortreaktionen. Bei den Interferenzaufgaben des Stroop-color-Tests verschlechterten sich jedoch die Leistungen bei gleicher Geschwindigkeit in Form vermehrter Fehler. Dies spricht für eine beeinträchtigte Response-Inhibition. Diese beiden Testresultate waren miteinander signifikant korreliert. Im Gedächtnis (nach Digit span), der verbalen Fluenz und der geteilten Aufmerksamkeit (im "Dual-task") zeigten sich zwischen den Ergebnissen im Stimulations-Off und -On keine signifikanten Unterschiede. Es ergaben sich auch keine Bezüge zu motorischen Variablen und keine Auffälligkeiten in anderen neuropsychologischen Kategorien. Nach durchschnittlich zwölf Monaten der STN-DBS fanden sich im Vergleich der globalen kognitiven Fähigkeiten der Patienten nach der Mattis Dementia Rating Scale keine signifikanten Unterschiede zum präoperativen Status.

Quelle: Witt, K: Deep brain stimulation of the subthalamic nucleus improves cognitive flexibility but impairs response inhibition in Parkinson disease, Zeitschrift: ARCHIVES OF NEUROLOGY, Ausgabe 61 (2004), Seiten: 697-700
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