Therapie der Narkolepsie | Neuro-Depesche 9/2019

Histamin-H3-Rezeptor-Antagonist erhöht Wachheit

Für die Dauertherapie von Patienten mit Narkolepsie Typ 1 und Typ 2 ist Pitolisant ein Mittel der ersten Wahl. Auf dem Fortbildungskolleg der Neuro-Depesche in Frankfurt wurden die Pharmakologie des oral wirksamen Histamin-H3-Rezeptor-Antagonisten/inversen Agonisten des Histamin-H3-Rezeptors im Gehirn, die Wirkung auf Tagesschläfrigkeit und Kataplexien sowie die einfache Handhabbarkeit diskutiert.
Die Narkolepsie äußert sich durch Schlaf-Wach- Störungen wie exzessive Tagesschläfrigkeit und gestörter Nachtschlaf, aber auch durch motorische Beschwerden wie Kataplexien, Schlafparalysen und REM-Schlaf-Verhaltensstörungen, erläuterte Dr. Ulf Kallweit, Witten/Herdecke. Das klinische Bild umfasst darüber hinaus neuropsychiatrische Störungen wie Halluzinationen und Depression sowie metabolische Veränderungen, die zu Gewichtszunahme/ Adipositas führen. Die chronische, exzessive Schläfrigkeit und das plötzliche Einschlafen „gegen den Willen“ sind häufig das erste und am stärksten behindernde Symptom.
Bei der Therapie der Narkolepsie stehen unter den nicht-medikamentösen Interventionen Psychotherapie und vor allem Verhaltensmaßnahmen im Vordergrund. „Die Tagesstrukturierung ist dabei zentral“, sagte Kallweit. Abhängig vom Vorliegen einer Kataplexie wird die Narkolepsie nach ICSD-3 in einen Typ 1 und Typ 2 unterschieden. In der medikamentösen Behandlung gilt bei beiden Typen Pitolisant (4,5 bis 36 mg/d) als ein Mittel der ersten Wahl. Der Histamin-H3-Rezeptor-Antagonist/inverse Agonist des Histamin-H3-Rezeptors erhöht die Histamin-Freisetzung im Gehirn. Außerdem moduliert Pitolisant auch andere Neurotransmittersysteme: So wird z. B. die Ausschüttung von Acetylcholin, Noradrenalin und Dopamin verstärkt. Dadurch erhöhen sich Wachheit und Aufmerksamkeit.
Bei einer Plasma-Halbwertszeit von 10 - 12 h wird Pitolisant nur einmal täglich (morgens) in einer Dosierung von bis zu 36 mg eingenommen „und wirkt über den ganzen Tag“, betonte der Experte.
In großen Placebo-kontrollierten Studien reduzierte Pitolisant die Tagesschläfrigkeit vergleichbar deutlich wie Modafinil. Anders als durch Modafinil werden auch die wöchentlichen Kataplexie-Episoden signifikant reduziert. Das nur zur Therapie der Narkolepsie Typ 1 zugelassene Natrium- Oxybat verringert Kataplexien ebenfalls wirksam, muss jedoch auf zwei gleiche Einzeldosen verteilt eingenommen werden (beim Zubettgehen und dann 2,5 - 4 h später nochmals) und ist daher „etwas kompliziert zu handhaben“, sagte Kallweit in Frankfurt. Bei der Narkolepsie kommen oft Kombinationen zum Einsatz. So kann, betonte er, Pitolisant u. a. mit Natrium-Oxybat oder Modafinil kombiniert werden. GS
Quelle: Fortbildungskolleg:  Neuro-Depesche „Neurologische Schlaferkrankungen in der Praxis: richtig erkennen und behandeln“, Frankfurt, 16.02.2019. Mit freundlicher 
ICD-Codes: G47.4

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