Kognitive Beeinträchtigung

Neuro-Depesche 11/2013

Hilft computergestütztes Aufmerksamkeitstraining?

Mit fortschreitender Erkrankung leiden immer mehr MS-Patienten an zunehmend schwereren kognitiven Beeinträchtigungen. Italienische Neurologen untersuchten nun, inwieweit ein computergestütztes Aufmerksamkeitstraining die kognitive ­Leis­tungsfähigkeit der Betroffenen bessern kann.

Die bei etwa 50% bis 60% der MS-Patienten vorliegenden kognitiven Defizite sind heterogen, doch scheinen meist Störungen komplexer Aufmerksamkeitsfunktionen und der Informationsverabeitungsgeschwindigkeit zugrunde zu liegen.

In Florenz wurden 102 Patienten mit schubförmiger MS, die an mehr als zwei Aufmerksamkeitstests einer neuropsychologischen Testbatterie scheiterten, aber nicht dement waren, in die Studie eingeschlossen. Die Daten von 88 Teilnehmern konnten ausgewertet werden. 55 Patienten wurden zu einem spezifischen, 33 zu einem unspezifischen Computertraining randomisiert. Das spezifische Aufmerksamkeitstraining basiert auf dem rehabilitativen Attention Processing Training Program (APT) und umfasst alle unterschied­lichen Komponenten wie fokussierte, selektive, alternierende, geteilte und Daueraufmerksamkeit. Das unspezifische Computertraining der Kontrollgruppe bestand lediglich aus Aufgaben wie Lesen und Zusammenfassen von Texten oder Beschreiben von Bildern etc.

Unter den verschiedenen Qualitäten der Aufmerksamkeit ergaben sich nur in zwei Tests maßgebliche Besserungen: Beide Gruppen hatten sich im Paced Auditory Serial Addition Test (PASAT 2 und 3) nach drei Monaten (und anhaltend nach sechs Monaten) signifikant verbessert (p < 0,001), doch in der aktiven Gruppe signifikant stärker als in der Kontrollgruppe (p < 0,001 bzw. 0,002). Ebenfalls über sechs Monate anhaltend besserten sich auch die Werte des Symbol Digit Modalities Test, SDMT), doch der Unterschied zwischen den Gruppen verfehlte die Signifikanz (p = 0,072).

In den Tests zu selektiven Aufmerksamkeit („Visual Search“), zur alternierenden und geteilten Aufmerksamkeit (TMT-A und -B) oder den anderen Tests der Rao’s Brief Repeatable Battery (BRB) zu den übrigen kognitiven Domänen wurden keine signifikanten Besserungen erzielt. Im Urteil der Patienten selbst hatte sich ihre kognitive Leis­tungsfähigkeit nach einer visuellen Analogskale (VAS) ebenfalls wesentlich verbessert (p = 0.003), doch erneut ohne einen stärkeren Effekt durch das spezifische Aufmerksamkeitstraining (p = 0,545).

Ähnliches zeigte sich bei den übrigen untersuchten Parametern: Sowohl depressive Symptome (nach der Montgomery and Asberg Depression Rating Scale, MADRS) als auch die Aktivitäten des täglichen Lebens (nach der Environmental Status Scale, ESS) besserten sich in beiden Gruppen signifikant (je p = 0,001), doch ohne Unterschied zwischen diesen (p = 0,36 bzw. p = 0,830) Eine Fatigue (nach der Fatigue Severity Scale, FSS) veränderte sich im gesamten Studienzeitraum kaum (p > 0,5). JL

Quelle: Amato M et al.: Computer-assisted rehabilitation of attention in patients with multiple sclerosis: results of a randomized, double-blind trial., Zeitschrift: MULTIPLE SCLEROSIS, Ausgabe (2013)
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