ADHS-Medikamente

Neuro-Depesche 10/2010

Halluzinationen und andere Psychosezeichen?

Mitarbeiter der US-amerikanischen Food and Drug Administration (FDA) untersuchten in einer großen Übersichtsarbeit, ob und in welchem Umfang die zur Behandlung der ADHS eingesetzten Medikamente bei Kindern und Jugendlichen Manien, Halluzinationen und andere psychotische Symptome hervorrufen können.

Für verschiedene – zugelassene oder in Prüfung befindliche – Medikamente zur Behandlung der ADHS wurden einerseits die von den Pharmaka-Herstellern angefragten klinischen Studiendaten ausgewertet, andererseits die Ergebnisse von Anwendungsbeobachtungen auf Fälle von Psychose-/Manie-Zeichen durchsucht.

In die Auswertung einbezogen werden konnten die Daten aus 49 randomisierten, kontrollierten klinischen Studien mit pädiatrischen ADHS-Patienten (aus den entsprechenden Medikamenten-Prüfprogrammen). Insgesamt wurden bei einer Datenbasis von 743 Personenjahren einer doppelblinden Behandlung mit gemischten Amphetaminsalzen, Metdexamphetamin, Methylphenidat, Atomoxetin und Modafinil elf unerwünschte Ereignisse der gesuchten Art wie Psychose- oder Manie-Zeichen festgestellt. Diese oder ähnliche unerwünschte Ereignisse waren dagegen bei keinem Teilnehmer der Plazebogruppen dieser Studien über 420 Personenjahre verzeichnet worden. Die aus den gepoolten Daten errechnete Rate pro 100 Personenjahre lag in den Verumgruppen bei 1,48.

In den Anwendungsbeobachtungen ergaben sich 865 spontane Berichte von Psychose- oder Manie-ähnlichen Nebenwirkungen, davon etwa die Hälfte bei Kindern ≤ 10 Jahren. In 30 bis 78% wurden die Symp­tome von Ärzten bestätigt und bei 25–59% der Patienten verschwanden die Symptome bei Absetzen der Medikamente (was für die Verursachung spricht). In etwa 90% der Fälle bestand keine entsprechende psychiatrische Vorgeschichte, außerdem konnten keine Risikofaktoren identifiziert werden. Die Halluzinationen betrafen im Übrigen häufig visuelle oder taktile Sensationen von Insekten, Würmern oder Schlangen. JL

Kommentar
ADHS-Patienten, ggf. ihre Eltern und die behandelnden Ärzte sollten sich darüber bewusst sein, dass Psychose- oder Manie-ähnliche Symptome Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung sein können. Sie treten zu zwei Drittel in den ersten Behandlungswochen auf, manche aber auch nach längerer Therapie.
Quelle: Mosholder, AD: Hallucinations and other psychotic symptoms associated with the use of attention-deficit/hyperactivity disorder drugs in children., Zeitschrift: PEDIATRICS, Ausgabe 123 (2009), Seiten: 611-616
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