Bidirektionale Komorbidität | Neuro-Depesche 4/2012

Häufiger Schizophrenie bei Epilepsie-Patienten – und umgekehrt!

Schon seit vielen Jahren wird eine Verbindung zwischen Epilepsie und Schizophrenie diskutiert. Jetzt wurde die Prävalenz der beiden Erkrankungen anhand der Aufnahmebefunde einer großen Anzahl britischer Patienten systematisch über sehr lange Zeiträume bestimmt.

Die retrospektive Kohortenstudie der Epidemiologen bediente sich der Daten der Oxford Record Linkage Study (ORLS) zu 6604 Patienten mit Erstdiagnose Schizophrenie plus 17747 mit Erstdiagnose Epilepsie (1963–1998) sowie der English national linked Hospital Episode Statistics (HES) zu 136920 bzw. 413587 entsprechenden Patienten (1999–2011). Das Alter der Erfassten reichte von 0 bis 74 Jahre, 55% und 63% der Patienten waren männlich.

Der Studienhypothese entsprechend ließ sich bei Personen, die wegen einer Schizophrenie in ein Krankenhaus aufgenommen worden waren, eine zwei- bis dreifach erhöhte Wahrscheinlichkeit (Rate Ratio) feststellen, später wegen einer Epilepsie behandelt zu werden (ORLS: 2,1, 95%-Konfidenz-Intervall: 1,6–2,6; HES: 3,0; 95%-KI: 2,9–3,1).

Umgekehrt ergab sich ebenfalls eine deutliche Häufung von Schizophrenie-Behandlungen bei Patienten mit der Aufnahmediagnose einer Epilepsie, hier lag die Rate Ratio sogar beim etwa Vier- bis Fünffachen (ORLS: 5,1, 95%-KI: 4,1–6,2; HES: 4,5, 95%-KI: 4,3–4,6). Zwischen Männern und Frauen fanden sich weder in dem einen noch in dem anderen Register durchgängige Unterschiede in den jeweiligen Erkrankungsrisiken.

Die möglichen Ursachen für die Zusammenhänge sind vielfältig und werden von den britischen Epidemiologen hier nicht näher beschrieben. JL

?! Diese Studie reiht sich in andere Untersuchungen ein, nach denen die Wahrscheinlichkeit einer Epilepsie bei schizophren Erkrankten und die einer Schizophrenie bei Epilepsie-Patienten jeweils um das Mehrfache erhöht ist, so um etwa den Faktor 6-8 in einer rezenten taiwanesischen Studie. In einer jüngeren dänischen Studie hatten Epilepsie-Patienten ein 2,5-fach erhöhtes Schizophrenie-Risiko. Dass es sich hier um sorgfältig erhobene Langzeitdaten handelt, lässt die Zusammenhänge zumindest auf der epidemiologischen Ebene als sehr solide erscheinen.
Quelle: Wotton CI et al. : Coexistence of schizophrenia and epilepsy: Record-Inkage studies , Zeitschrift: EPILEPSIA, Ausgabe 53 (2012), Seiten: 71-74

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