Metaanalyse zum Zeitpunkt der Epilepsiechirurgie | Neuro-Depesche 11-12/2019

Häufiger anfallsfrei durch frühe Operation?

Ein chirurgischer Eingriff kann vielen Epilepsie-Patienten entscheidend helfen. Jedoch zögern viele Ärzte, auf diese - fälschlich oft als Ultima ratio angesehene - Therapie zurückzugreifen. Nun haben sich Forscher aus Schweden mit der Frage beschäftigt, ob Patienten nach einer frühen chirurgischen Intervention häufiger anfallsfrei werden, als wenn diese später stattfindet.
Zur Klärung der Frage bedienten sie sich der Daten aus insgesamt 25 Studien, von denen sie zwölf metaanalytisch auswerteten. Die verwendeten Publikationen verglichen die Anfallsfreiheit bei insgesamt 1.545 Patienten, bei denen zwei verschiedene medikamentöse Behandlungsversuche keine adäquate Wirkung gezeigt hatten und die in der Folge epilepsiechirurgisch behandelt worden waren.
Hauptaugenmerk lag darauf, ob sich eine Operation vor bzw. nach einer bestimmten Erkrankungsdauer (2, 5, 10, 20 Jahre) auf die Rate an Anfallsfreiheit (nach ILAE- oder Engel-Klassifikation) auswirkt.
In allen untersuchten Subgruppen ergab sich zwölf Monate nach der Operation ein jeweils signifikanter Vorteil (p < 0,01) zugunsten des frühzeitigen Eingriffs: Für die Patienten, die mit einer Epilepsiedauer <2 vs. > 2 Jahren operiert wurden, zeigte sich eine absolute Effektgröße von 0,15 und eine relative Effektgröße von 1,20. Für den Zeitpunkt < 5 vs. > 5 Jahren ergaben sich entsprechende absolute und relative Werte von 0,17 und 1,20, für < 10 vs. > 10 Jahre von 0,15 und 1,25 und für < 20 vs. > 20 Jahre von 0,19 und 1,33.
Schließlich wurde noch das Outcome von Patienten mit einer Erkrankungsdauer von < 5 vs. > 10 Jahre verglichen: Auch bei diesem großen zeitlichen Unterschied ergaben sich für die Anfallsfreiheit nach einem Jahr signifikante Effektgrößen von 0,21 und 1,32 (p < 0,01). JL

Kommentar

Basierend auf ihren Resultaten, empfehlen die Autoren, dass Patienten, die von einer Epilepsiechirurgie profitieren könnten, unabhängig von der Epilepsiedauer einem prächirurgischen Screening unterzogen werden sollten. U. a. aufgrund von Studienquaität und -heterogenität, schränken die Autoren ein, war die Evidenz für den Vorteil einer kürzeren Epilepsiedauer vor der Operation laut Grading of Recommendations Assessment, Development and Evaluation (GRADE)-Kriterien allerdings eher gering.
Quelle: Bjellvi J et al.: Epilepsy duration and seizure outcome in epilepsy surgery: a systematic review and metaanalysis. Neurology 2019; 93(2): e159-e166 [Epub 9. Juli; doi: 10.1212/WNL.0000000000007753]

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