Neuer S1P-Rezeptormodulator Ozanimod bei RRMS | Neuro-Depesche 1-2/2020

Graue Substanz und Kognition bewahrt

Ozanimod ist ein neuer oraler Agonist der Sphingosin-1-Phosphat(S1P)-Rezeptor-Subtypen 1 und 5 zur Behandlung der schubförmigen MS (RRMS). Dass das noch nicht zugelassene Ozanimod über die klassischen Zielparameter Schubreduktion und Läsionsverringerung im MRT auch die globale und regionale Hirnatrophie sowie den kognitiven Abbau bremsen kann, schilderten jüngst Experten auf einem Pressegespräch von Celgene im Rahmen des 92. Kongresses der DGN 2019 in Stuttgart.
Eine MS geht von Anfang an mit dem Verlust an weißer und grauer Substanz (WM, GM) einher. Eine Therapie sollte daher frühzeitig, vor dem Auftreten irreparabler Schäden, begonnen werden, betonte Prof. Ralf Linker, Regensburg. Ein Ziel ist dabei, den stetigen – ab dem ersten Schub nachweisbaren und mit progredientem MS-Verlauf stark zunehmenden – Abbau der tieferliegenden grauen Substanz (GM) auf ein altersentsprechend normales Maß zu bremsen. Dieser wird mit den „unsichtbaren Symptomen“ der MS in Verbindung gebracht: Gerade am Anfang der Erkrankung werden Symptome wie kognitive Einschränkungen, Depression und Fatigue im individuellen Fall nicht vom Gehfähigkeits-dominierten EDSS abgebildet, sagte Linker in Stuttgart. Ein verringertes Thalamus-Volumen in der MRT ist dagegen mit kognitiven Beeinträchtigungen der Patienten korreliert, wie sie mit kognitiven Tests wie z. B. mit dem Symbol Digit Modalities Test (SDMT) gemessen werden können.
 In den 2019 publizierten Phase-III-Studien RADIANCE und SUNBEAM hatte Ozanimod (0,5 / 1 mg/d) sowohl die jährliche Schubrate als auch die Anzahl aktiver MRT-Läsionen stärker gesenkt als 1 x wöchentlich 30 μg Interferon-beta 1a i.m. (IFNβ-1a) berichtete Prof. Tjalf Ziemssen, Dresden. Der Effekt auf die körperliche Behinderung nach EDSS war dagegen weniger deutlich – möglicherweise, weil mehr als zwei Drittel der Patienten nicht vorbehandelt waren, sich also in einem frühen Stadium der MS befanden.
In beiden Studien fielen die globale Hirnatrophie, der Verlust der kortikalen GM und die Abnahme des Thalamus-Volumens (TV) unter Ozanimod nach ≥ 12 bzw. 24 Monaten jeweils signifikant geringer aus als im IFNβ-1a-Vergleichsarm. In SUNBEAM hatten in Monat 12 in der Ozanimod-Gruppe (1 mg/d) signifikant mehr Patienten eine klinisch relevante SDMT-Verbesserung (≥ 4 Punkte) erfahren (35,6 % vs. 27,9 %) und signifikant weniger eine relevante Verschlechterung (22,0 % vs. 28,2 %) als in der IFNβ-1a-Gruppe. Dass Patienten mit schlechterer SDMT-Performance im Mittel auch einen größeren Thalamus-Volumen-Verlust aufwiesen, hob Ziemssen hervor, legt einen direkten Zusammenhang nahe.
„Die aktuellen Daten deuten darauf hin“, fasste der Neurologe zusammen, „dass Ozanimod nach erteilter Zulassung eine neue, effektive orale Therapieoption mit einem günstigen Sicherheitsprofil für RRMS-Patienten sein könnte.“ Die EUZulassung ist bereits beantragt. JL
Quelle: Pressegespräch: „MS-Update – Therapieziel Kognition? Wo stehen wir bei der Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose – heute und in Zukunft?“, 27. 9. 2019, 92. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) in Stuttgart.
ICD-Codes: G35

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