Neuropsychiatrische Erkrankungen des Kindes | Neuro-Depesche 9/2006

Gehäuft hyperintense Signale in der MRT?

US-Psychiater prüften in einer Bildgebungsstudie, ob Kinder und Jugendliche mit Tourette-Syndrom, Zwangsstörung und/oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) in der T2-gewichteten MRT gehäuft zerebrale Hyperintensitäten aufweisen und ob das Volumen ihrer Basalganglien erhöht ist.

Verglichen wurden die Befunde der T2- und T1-gewichteten MRT-Aufnahmen von 100 Kindern und Jugendlichen im Alter zwischen sieben und 18 Jahren, bei denen ein Tourette-Syndrom, eine Zwangsstörung und/oder eine Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) diagnostiziert worden war. Patienten mit Schädeltrauma, anderen relevanten neuropsychiatrischen Erkrankungen oder einem IQ kleiner 80 wurden ausgeschlossen. Das Vorhandensein von hyperintensen Läsionen (T2) und die Basalganglien-Volumina (T1) wurde von zwei Neuroradiologen geblindet beurteilt. Als Kontrolle dienten 32 gesunde Probanden.

Die Häufigkeit zerebraler hyperintenser Areale war bei den Patienten mit neuro psychiatrischer Diagnose signifikant höher als bei den gesunden Kontrollen (41 Areale bei 30% vs. 8 Areale bei 15,6% der jeweiligen Teilnehmergruppe). Die Wahrscheinlichkeit für einen derartigen MRT-Befund war bei den Patienten mehr als vierfach höher (Odds Ratio: 4,2). Zu dieser Häufung schien jede diagnostische Gruppe etwa gleich stark beizutragen.

In den einzelnen Patientengruppen lag die erhöhte Signalintensität signifikant häufiger im Subkortex (insbesondere in den Basalganglien und im Thalamus) als im Kortex vor. Während sich die Häufigkeit kortikaler Befunde zwischen Patienten und Gesunden nicht unterschied, waren die subkortikalen Hyperintensitäten in der Patientengruppe ungleich häufiger als bei den Kontrollen (29,6% vs. 6,7%, OR: 6,9, p = 0,03). Die Basalganglien waren bei den Patienten wider Erwarten aber nicht signifikant größer und ihre Volumina korrelierten mit den hyperintensen Arealen nicht.

Hyperintense Signale der Basalganglien werden gehäuft bei Kindern mit Sydenham-Chorea angetroffen, einer Erkrankung, die als Folge einer Infektion mit β-hämolysierenden Streptokokken der Gruppe A angesehen wird. Bei Kindern mit Zwangsstörung und ADHS wurden in der Vergangenheit erhöhte Titer an Antikörpern gegen diese Bakterien nachgewiesen, so dass bei diesen auch im Erscheinungsbild teils sehr ähnlichen Erkrankungen eine ähnliche autoimmun-entzündliche Pathogenese im Rahmen des Möglichen liegt.

Quelle: Amat, JA: Increased number of subcortical hyperintensities on MRI in children and adolescents with Tourette's syndrome, obsessive-compulsive disorder, and attention deficit hyperactivity disorder, Zeitschrift: AMERICAN JOURNAL OF PSYCHIATRY, Ausgabe 163 (2006), Seiten: 1106-1108

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?