IFNβ-1a (s.c.) bei MS | Neuro-Depesche 11/2012

Frühe Therapie bedeutet günstigere Prognose

Eine frühe Behandlung und der Einsatz des als sehr wirksam geltenden hochfrequenten und hochdosierten Interferon beta1a s.c. (IFNβ-1a s.c.) bieten eine sehr große Chance auf eine effektive Kontrolle der MS. Die Zulassung von IFNβ-1a (s.c.), das ein sehr günstiges Nutzen/Risiko-Profil aufweist, wurde vor kurzem auf die ­Behandlung von Patienten mit klinisch isoliertem Syndrom (CIS) erweitert.

„Letztendlich konvertiert nach Diagnose einer schubförmigen MS (RRMS) ein Großteil der Patienten in doch relativ kurzer Zeit in eine sekundär progressive MS (SPMS), nämlich 70% innerhalb von zehn Jahren. Je früher wir also intervenieren, desto größer ist die Chance, dass wir langfristig den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen können“, erläuterte Prof. Dr. Bernd Kieseier, Düsseldorf, auf einem Satellitensymposium im Rahmen des 85. DGN-Jahreskongresses in Hamburg.

Das zeitliche „Window of opportunity“ für eine effektive Therapie der MS, ist relativ eng. Deshalb heißt es heute nicht mehr „abwarten, bis der Patient erste Behinderungen zeigt“, sondern es gilt „früh zu intervenieren, früh zu handeln, früh zu wechseln“, so Kieseier. Ziel einer rechtzeitigen Therapie ist es, weitere Schübe zu verhindern, den Krankheitsprozess zu verlangsamen und neurologischen Defiziten dauerhaft vorzubeugen. Sehr gute Erfahrungen wurden hier mit IFNβ-1a (s.c.) gemacht.

In der EVIDENCE-Studie ergaben sich für IFNβ-1a s.c. (3 x 44 µg/Woche) gegenüber IFNβ-1a i.m. (30 µg/Woche) signifikant stärkere Effekte hinsichtlich Schubrate, Zeit bis zum nächsten Schub und Läsionslast im MRT. Die Überlegenheit war auch noch nach 16 Monaten nachweisbar, betonte Kieseier. Außerdem belegen die 15-Jahresdaten der PRISMS-Studie ebenfalls die signifikante Überlegenheit des frühen vs. späteren Therapiebeginns mit hochfrequentem, hochdosiertem IFNβ-1a s.c.(3 x 44 µg/Woche). Der Anteil der Patienten, der einen EDSS-Score von 4 erreichte, konnte durch die hochfrequente und hochdosierte Therapie von 60,7% auf 31,8% gesenkt werden. Für den EDSS-Score von 6 fiel die Reduktion von 52,1% auf 13,9% noch deutlicher aus.

Die positiven Ergebnisse der REFLEX- und auch deren Verlängerung, der REFLEXION-Studie, haben zur Zulassungserweiterung auf Patienten mit erstem MS-verdächtigen Ereignis geführt. In der REFLEX-Studie hatte sich bei den CIS-Patienten insbesondere die Überlegenheit von 3 x 44 µg pro Woche s.c. appliziertem IFNβ-1a gegenüber Plazebo in der Konversionsrate zu einer klinisch sicheren (CDMS) und einer nach den McDonald-Kriterien (2005) definierten MS gezeigt (-51%). Der Therapieeffekt war außerdem größer als bei jenen, die das Präparat nur 1 x pro Woche erhielten (-31%). In REFLEXION reduzierte die frühe Gabe von IFNβ-1a s.c. im Vergleich zum späten Behandlungsstart das Risiko einer Konversion um 44,5% für 3 x 44 μg/Woche bzw. um 42,7% für 1 x 44 μg/Woche. Die entsprechenden Werte für die Konversion zu einer McDonald-MS lauten 49,2% bzw. 30,2%. GS

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?