Autopsie-Befunde ausgewertet | Neuro-Depesche 11/2006

Fallserie: Woran sterben MS-Patienten?

Eine Arbeitsgruppe der John Hopkins Universität Baltimore hat 50 unerwartete Todesfälle von MS-Patienten anhand der Autopsiebefunde aufgearbeitet. Es zeigte sich ein unerwartet hoher Anteil an nicht natürlichen Todesursachen.

Die Studie umfasste 32 weibliche und 18 männliche Versorbene im Alter von 25-69, durchschnittl. 48,5 Jahren. Bei 43 war eine MS bekannt gewesen, bei sieben erst post mortem festgestellt worden. Mehrheitlich lagen inaktive (66,7%), seltener aktive demyelinisierende Läsionen vor, vornehmlich in den Großhirnhemispären. Die Todesursachen wurden in drei Kategorien eingeteilt:

A 21 Fälle (42%) mit unmittelbar auf die MS zurückzuführender neurologischer Ursache oder mittelbar MS-bedingtem Tod wie durch Asphyxie.

B 14 Fälle (28%) mit nicht-neurologischen Komplikationen und andere medizinischen Todesursachen: Neun durch atherosklerotisch-kardiovaskulärer Erkrankungen (18%), einer durch eine metabolische Erkrankung (2%), drei durch Lungenembolie (6%) und einer durch eine Pneumonie (2%).

C 15 Fälle (30%) mit Unfällen, Verbrechen etc.: Neun durch Trauma (18%), fünf durch Intoxikation (10%) und einer durch Verbrennung (2%).

Unter den 50 untersuchten Autopsien fanden sich also 26 (52%) natürliche und 24 durch Unfall (26%), Suizid (8%), Tötungsdelikt (6%) oder ungeklärte Ursachen (8%) eingetretene Todesfälle. Zumindest in einigen Fällen kann vermutet werden, dass demyelinisierende Herde in Regionen der kardiovaskulären Regulation einen mittelbaren Einfluss auf den Tod des Patienten hatten. Die erstaunlich vielen auf nicht natürliche Ursachen zurückzuführende Todesfälle bedürfen einer Überprüfung in größeren Studien. Sollten sich die Erkenntnisse bestätigen, stellt sich die dringende Frage nach spezifischen Maßnahmen zur Senkung der Mortalität in dieser Patientengruppe. (Be)


Quelle: Riudavets, MA: Causes of unexpected death in patients with multiple sclerosis, Zeitschrift: AMERICAN JOURNAL OF FORENSIC MEDICINE AND PATHOLOGY, Ausgabe 26 (2005), Seiten: 244-249

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