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US-Registerstudie mit > 8 Mio. Menschen

Neuro-Depesche 10/2021

Erhöhtes Demenzrisiko bei Schizophrenie?

Zertifizierte Fortbildung
Ob Patienten mit einer Schizophrenie in ihrer Lebensspanne ein erhöhtes Risiko für die Entwiecklung einer Demenz aufweisen, wurde in einer Kohorte von mehr als 8 Mio. Menschen der US-amerikanischen Medicare-Datenbank untersucht.
Untersucht wurden die altersspezifische Prävalenz und Inzidenz von Demenzdia- gnosen bei 8.011.773 älteren (von 2007 bis 2017) bei MediCare Versicherten. Dies konnten nach den Diagnosecodes eine Alzheimer-Demenz, verwandte Erkrankung oder eine „senile Demenz“ sein.
Die Studienpopulation von Erwachsenen im Alter ≥ 66, durchschnittlich 74,0 Jahre, umfasste 74.170 Personen mit der Diagnose einer Schizophrenie (56,6 % Frauen) und 7.937.603 ohne die Diagnose einer schweren psychischen Erkrankung (63,5 % Frauen). Dies ergab im Follow-up 336.814 bzw. 55.499.543 Personenjahre.
 
Mehrfach höhere Prävalenz und Inzidenz
Im Alter von 66 Jahren betrug die Prävalenz einer Demenzdiagnose bei den Personen mit Schizophrenie 27,9 % (17.640 von 63.287) gegenüber nur 1,3 % (31.295 von 2.389.512) in der Gruppe ohne schwere psychische Erkrankung. Im Alter von 80 Jahren bestand eine Demenzdia- gnose dann bei 70,2 % (2.011 von 2.866) in der Schizophrenie- und bei 11,3 % (242.094 von 2.134.602) in der Vergleichsgruppe. Die jährliche Inzidenz an Demenz-Diagnosen pro 1.000 Personenjahre im Alter von 66 Jahren lag bei den Personen mit Schizophrenie bei 52,5 (95 %-KI: 50,1 - 54,9) und bei den psychisch Nicht-Erkrankten bei 4,5 (95 %-KI: 4,4 - 4,6). Die Inzidenz nahm in beiden Gruppen mit dem Lebensalter der Teilnehmer zu und lag in der Altersgruppe der 80-Jährigen bei 216,2 (95 %-KI: 179,9 - 252,6) bzw. bei 32,3 (95 %-KI: 32,0 - 32,6). Zudem erhöhte eine Demenzdiagnose die ohnehin höhere jährliche Mortalitätsrate der Schizophrenie-Patienten weiter (von 6 % auf ca. 12 %). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
In dieser US-Kohortenstudie hatten an Schizophrenie Erkrankte über eine breite Altersspanne ein massiv erhöhtes De- menzrisiko. Dabei entsprach die Demenzprävalenz der Patienten im Alter von 66 Jahren der Häufigkeit in der Gruppe ohne schwere psychische Erkrankung im Alter von 88 Jahren. Ob die kognitiven Verschlechterungen im direkten Zusammenhang mit der Pathophysiologie der Schizophrenie wie mangelnde Plastizität oder subtile neurodegenerative Veränderungen stehen, oder ob andere Faktoren dazu beitragen, bedarf der näheren Prüfung.
Quelle: Stroup TS et al.: Age-specific prevalence and incidence of dementia diagnoses among older us adults with schizophrenia. JAMA Psychiatry 2021; 78(6) :632-41
ICD-Codes: F20.9
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