DGPPN 2019: Migräne-Therapie | Neuro-Depesche 1-2/2020

Erenumab auch bei komorbider Angst und Depression gut einsetzbar

Der zur Migräne-Prophylaxe bei Patienten mit ≥ 4 Migräne-Tagen pro Monat zugelassene CGRP-Rezeptor-Antikörper Erenumab lässt sich auch bei Patienten gut einsetzen, die unter komorbiden psychiatrischen Erkrankungen wie Angststörungen und Depression leiden. Die Zusammenhänge erläuterten Experten auf einem von Novartis unterstützten Satellitensymposium auf dem Jahreskongress der DGPPN Ende November 2019 in Berlin.
Laut Prof. Tillmann Krüger, Hannover, geht eine Migräne mit einer hohen psychischen Belastung einher. Die Patienten sind durch ihre Alltagsbeeinträchtigungen frustriert, leiden unter Stimmungsschwankungen, Schuldgefühlen und Depressionen.
Einer großen Befragung zufolge berichten gerade Patienten, bei denen mehrere Migräne-Therapien gescheitert sind, zu etwa 85 % Gefühle von Niedergeschlagenheit/ Hoffnungslosigkeit und 83 % von Schlafproblemen. 55 % geben an, Angst vor der nächsten Migräneattacke zu haben. Dabei sind Schmerz und Beeinträchtigungen im Alltag Mediatoren zwischen einer Migräne und einer (generalisierten) Angststörung, erläuterte Krüger.
Während eine Depression bei Migräne- Patienten etwa doppelt bis dreimal so hoch ist wie bei Personen ohne Migräne (28,5 % vs. 12,3 %; Odds Ratio[OR]: 2,84), sind die Risiken für Angsterkrankungen sogar knapp vervierfacht (Panikstörung: 17,4 % vs. 5,5 %; OR: 3,58 bzw. generalisierte Angststörung [GAD): 9,1 % vs. 2,5 %; OR: 3,86). Umgekehrt sind Angststörungen möglicherweise auch ein größerer Migräne-Risikofaktor als die Depression. Migräne und Angst weisen etliche pathophysiologische Gemeinsamkeiten auf, und es herrscht eine bidirektionale Beziehung, so Krüger. Daher sollten Migräne-Patienten sorgfältig auf affektive und Angststörungen gescreent werden, und bei Komorbidität bedarf es, eines „holistischen Ansatzes“.
Unter den neuen Migräne-Prophylaktika zeigen monoklonale Antikörper „bei insgesamt sehr guter Verträglichkeit vor allem auch positive Effekte auf die Lebensqualität sowie auf arbeitsbezogene und soziale Aspekte“, sagte Krüger in Berlin.
Die engen Korrelationen von Kopfschmerzhäufigkeit und Lebensqualität sowie psychischen Beeinträchtigungen wie Depression und Angststörungen betonte auch PD Charly Gaul, Königstein. Bei Migräne kritisch zu prüfen bzw. zu vermeiden sind u. a. Betablocker, Flunarizin und Topiramat. Erenumab geht mit keinen psychischen Nebenwirkungen und keiner Gewichtszunahme einher.
Ein beim AAN 2018 in Los Angeles präsentiertes Poster zeigt, dass Depression und Angst (bei Patienten mit episodischer Migräne) keinen Einfluss auf das Ansprechen auf Erenumab haben, betonte Gaul auf dem Symposium. Seinen Erfahrungen nach kann die medikamentöse Prophylaxe „auch die Tür für nicht-medikamentöse Verfahren öffnen“.
Aus ihrer Praxis belegte dies Astrid Gendolla, Essen, anhand von Fallberichten. So sprach ein 62-Jähriger mit generalisierter Angststörung und Insomnie als Vorerkrankungen nach mehreren erfolglosen (unwirksamen oder nicht vertragenen) Therapieversuchen mit den herkömmlichen Prophylaktika sehr deutlich auf Erenumab an: Unter der Dosis von 140 mg verringerten sich seine Migräneattacken von zehn auf zwei pro Monat. Außerdem spricht er besser auf die Akuttherapie mit Triptanen an. Vor allem, so Gendolla, ist der Patient auch im Alltag wieder belastbarer. JL
Quelle: Satellitensymposium: „Neurologie meets Psychiatrie: Angst vor Migräne – macht Migräne Angst?“ 28. Nov. 2019, Jahreskongress der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN), in Berlin.
ICD-Codes: G43.9

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