Bei gesunden Kindern

Neuro-Depesche 1/2009

Epileptiforme Entladungen im Schlaf

Mit einer Polysomnographie inkl. EEG-Ableitung untersuchten Pädiater aus den USA erstmals die Prävalenz einer epileptiformen Aktivität während des Nachtschlafs in einer pädiatrischen Allgemeinpopulation ohne Epilepsie-Diagnose. Der Terminus „epileptiforme Entladung“ bezieht sich auf eine interiktale paroxysmale Aktivität, die bevorzugt im Schlaf auftritt. Sie entspricht in ihrer Schwere nicht den EEG-Veränderungen während eines Anfalls, könnte sich aber dennoch negativ auswirken, z. B. auf die Kognition.

Bei 970 „rundum gesunden“ Kindern im Alter zwischen fünf und acht Jahren wurden im Rahmen der Polysomnographie auch ein EEG (acht Kanäle) abgeleitet. Als epileptiforme Aktivität wurden Spikes, Sharp-Waves mit oder ohne Slow-Waves definiert, einzeln oder in weniger als fünf Sekunden andauernden Bursts.

Es wurde kein Krampfanfall verzeichnet. Bei 14 der 970 Kinder (1,45%) wurde eine epileptiforme Aktivität beobachtet – ohne, dass zusätzliche polysomnographische Auffälligkeiten vorlagen. Sie bestand aus Spikes oder Spikes und Waves und waren insbesondere während der Non-REM-Schlafphasen nachweisbar. Bei elf Kindern waren diese EEG-Muster in den zentrotemporalen Regionen lokalisiert.

Vier der sechs zusätzlich mit einer umfangreichen neurokognitiven Testbatterie untersuchten Kinder dieser Gruppe mit epileptiformen Entladungen zeigten auffällige Resultate in den Domänen Verhalten, Aufmerksamkeit, Hyperaktivität und Lernen, obwohl keines von ihnen die Diagnose einer ADHS hatte oder sonst eine neurologische/psychiatrische Erkrankung oder eine regelmäßige Medikamente aufwies. Bei den 813 getesteten Kindern ohne epileptiforme EEG-Muster fand sich dagegen kein einziger Fall einer kognitiven Beeinträchtigung (p < 0,00001). EJW

Kommentar
?! Die hier festgestellte Prävalenz einer epileptiformer Aktivität im Schlaf bei gesunden Kindern ist unerwartet hoch. Sie könnte ferner mit einem erhöhten Risiko für Verhaltensauffälligkeiten und kognitive Defizite einhergehen. Bestätigen sich Zusammenhänge mit der transitorischen kognitiven Beeinträchtigung (TCI) in der Zukunft, sollten Schlafmediziner routinemäßig geeignete Polysomnographie-Arrangements verwenden (z. B. 8–16 Kanal-EEG; temporale Ableitungen) um diese Aktivität festzustellen. Eine Früherkennung könnte es prinzipiell ermöglichen, die Betroffenen mit gezielten Maßnahmen zu fördern.
Quelle: Capdevila, OS: Prevalence of epileptiform activity in healthy children during sleep., Zeitschrift: Sleep Medicine, Ausgabe 9 (2008), Seiten: 303-309
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