Therapieresistente bipolare Depression | Neuro-Depesche 12/2015

EKT besser als Pharmakotherapie?

In Leitlinien wird die Elektrokrampftherapie (EKT) bei schwerer bipolarer Depression oft als Second-line-Option genannt. Norwegische Forscher überprüften in einer randomisiert- kontrollierten Studie nun, ob die EKT der medikamentösen Therapie bei therapieresistenter bipolarer Depression über- oder unterlegen ist.

Die Ärzte an sieben psychiatrischen Zentren rekrutierten insgesamt 73 Personen im Alter zwischen 26 und 79 Jahren mit einer therapieresistenten bipolaren Depression (Montgomery-Asberg Depression Rating Scale > 25). Die Teilnehmer wurden entweder einer EKT oder einer algorithmusbasierten Pharmakotherapie (nach Goodwin und Jamison) zugeführt. Letztere bestand aus Antipsychotika, Antikonvulsiva, Lithium und Antidepressiva in diversen Kombinationen (Monotherapie nur in einem Fall). Nach sechswöchiger Behandlung mit je drei EKT-Sitzungen pro Woche (rechts unilateral, kurze Impulsstimulation) zeigte sich eine deutliche Überlegenheit: In allen verwendeten Rating- Skalen waren die Ergebnisse nach sechswöchiger EKT signifikant besser als nach medikamentöser Behandlung. Der MADRS-Wert ging um 6,6 Punkte zurück (SE 2,05; 95%-KI 2,5– 10,6), die Inventory of Depressive Symptomatology – Clinician-Rated um 9,4 Punkte (SE 2,49; 95%-KI 4,6–14,3) und die Clinical Global Impression for Bipolar Disorder um 0,7 Punkte (SE 0,31; 95%-KI 0,13–1,36).
Rund drei Viertel der Patienten sprachen gut auf die EKT an, die Responseraten waren mit rund 74% deutlich höher als in der Pharmakogruppe mit 35%. Die Remissionsraten waren allerdings deutlich ähnlicher (35% vs. 30%). NW

Kommentar

Die algorithmusbasierte Pharmakotherapie ist eine evidenzbasiert wirksame Behandlung von Patienten mit bipolaren Depression. Obwohl schwere Fälle von Depression, die erfahrungsgemäß eher gut auf eine EKT ansprechen, in dieser Studie ausgeschlossen waren, war das Resulat positiv. Kritisch anzumerken bleibt die hohe Drop-out-Rate von 13 (EKT) bzw. 10 (Pharmakotherapie) Patienten sowie das kleine, heterogene Kollektiv (Bipolarstörungen vom Typ I und II).


Quelle:

Schoeyen HK et al.: Treatment-resistant bipolar depression: a randomized controlled trial of electroconvulsive therapy versus algorithm-based pharmacological treatment. Am J Psychiatry 2015; 172: 41-51

ICD-Codes: F31.5

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