Medizinische Versorgung von Asylbewerbern in Deutschland | Neuro-Depesche 7-8/2015

Eingeschränkter Zugang kommt deutlich teurer

Asylsuchende, die nach Deutschland gelangen, haben zunächst einen eingeschränkten Zugang zur medizinischen Versorgung. Nach §§4 und 6 des Asylbewerberleistungsgesetzes muss jede Behandlung beim Sozialamt beantragt werden. Zwei Gesundheitsforscher aus Heidelberg und Bielefeld errechneten nun, dass diese Praxis am Ende mehr kostet.

Anhand der Daten des Statistischen Bundesamtes der Jahre 1994 bis 2013 wurden die absoluten und die relativen Gesundheitsausgaben zwischen den Fällen mit Zugangsbeschränkungen und jenen mit regulärem Zugang (4,16 bzw. 1,53 Millionen Personenjahre) kalkuliert.
Die Pro-Kopf-Ausgaben waren in der Gruppe mit eingeschränktem Zugangdeutlich höher: Gegenüber einer Regelversorgung, z. B. mit elektronischer Gesundheitskarte, resultierten Mehrkosten von 40%, in absoluten Zahlen 375,80 Euro pro Person. Dieser Zusammenhang wurde im Weiteren auch durch verschiedene relative Kostenberechnungen bestätigt.
Nur ein Teil der Mehrkosten ließen sich durch Gruppenunterschiede im Durchschnittsalter, in der Unterbringung und im medizinischen Bedarf erklären. Die Autoren errechneten, dass bei unbeschränktem, dem der Allgemeinbevölkerung gleichen medizinischen Zugang der Asylbewerber in den letzten 20 Jahren ca. 22% hätten eingegespart werden können. Dies sind nicht weniger als 1,560 Mrd. Euro. JL

Kommentar

Seit 1993 sollen durch das Asylbewerberleistungsgesetz die Gesundheitsausgaben gering gehalten und keine Anreize zur Asylsuche geboten werden, heißt es in einer Pressemeldung zur Studie. Autor Kayvan Bozorgmehr: „Die Diskussion um die Gesundheitsversorgung von Asylbewerbern wurde bislang rein politisch geführt. Rationale, gesundheitswissenschaftliche Erkenntnisse und ethische Grundsätze müssen dringend stärker berücksichtigt werden.“ Positive Erfahrungen ergab das sog. Bremer Modell.

Quelle:

Bozorgmehr K, Razum O: Effect of restricting access to health care on health expenditures among asylum-seekers and refugees: a quasi-experimental study in Germany, 1994-2013. PLoS One 2015; 10(7): e0131483 [Epub 22. Juli; doi: 10.1371/journal.pone.0131483]

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