Schizophrenie bei Obdachlosen | Neuro-Depesche 3/2017

Eigene Wohnung verbessert Adhärenz

Obdachlose mit einer Schizophrenie zeigen mit der Antipsychotika-Therapie oft eine sehr schlechte Therapieadhärenz. Kann ein sog. Housing first (s. Textkasten) die Therapietreue verbessern? Einer randomisierten kontrollierten Studie aus Kanada zufolge kann diese Unterbringung, vor allem in einer Einzelunterkunft, dies tatsächlich leisten.

Die 165 obdachlosen Erwachsenen mit Schizophrenie, die zuvor schon Antipsychotika erhalten hatten, wurden zu drei Armen randomisiert: a) Housing First in Sammelunterkünften (CHF) mit persönlicher Unterstützung (einschl. ärztlicher/medikamentöser Hilfe), b)Housing First in einem abgeschlossenen Wohnraum (SHF) mit persönlicher langfristiger Behandlung oder c) lediglich die bei psychisch kranken Obdachlosen übliche Versorgung („Treatment as usual“, TAU, in diesem Fall mit Unterstützung durch das Studienteam). Über durchschnittlich 2,5 Jahre wurde die Therapieadhärenz mittels der Medication possession ratio (MPR) bestimmt.
Vor Beginn der Studie war die MPR der Teilnehmer sehr niedrig (0,44–0,48). Mit einem MPR-Gesamtwert von 0,64 wurde sogar fast der in den Leitlinien empfohlene Schwellenwert für SHF von 0,80 erreicht. Die MPT-Werte in den drei Studienarmen lagen bei 0,87 (SHF), 0,61 (CHF) bzw. 0,55 (TAU). In der Beobachtungszeit ergaben sich für die drei Studienarme signifikant unterschiedliche MPR-Werte (p < 0,001). Damit erreichten die Patienten der SHF-Gruppe, nicht jedoch die des CHF-Kollektivs, eine signifikant bessere Adhärenz als die der TAU-Gruppe. Also sollte, so die Autoren, Housing First im abgeschlossenen Individualraum bei Obdachlosen mit Schizophrenie weiterhin das bevorzugt Ziel sein. GS

Kommentar

Housing First bedeutet die möglichst schnelle, dauerhafte Unterbringung Wohnungsloser in Individualwohnräumen, ggf. mit wohnbegleitenden Hilfen, aber vor allem, ohne dass die Betreffenden vorher eine „Wohnfähigkeit“ erlangt haben müssen. Es herrschen reale Wohnbedingungen mit allen Herausforderungen wie Selbstversorgung, finanzielle Verbindlichkeiten, Hausordnung, Schlüsselgewalt, Nachbarschaftskontakte, Umgehen mit Einsamkeit/Langweile etc.

Quelle:

Rezansoff SN et al.: Housing First improves adherence to antipsychotic medication among formerly homeless adults with ... Schizophrenia Bulletin 2016 [Epub 24. Sept..; doi 10.1093/schbul/sbw136

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