Fast zehn Jahre Impulstherapie mit Alemtuzumab | Neuro-Depesche 5-6/2020

EDSS stabilisiert oder gebessert und Konversion zur SPMS verzögert

Die hohe Wirksamkeit und das Sicherheitsprofil von Alemtuzumab bei Patienten mit schubförmig-remittierender MS (RRMS) wurden im abgeschlossenen Artikel-20-Verfahren intensiv geprüft und bestätigt, wobei die Indikationen des CD52-Antikörpers in einigen Punkten modifiziert wurden. Die aktuellen Anwendungsvorgaben der Impulstherapie mit Alemtuzumab und die Studiendaten, die inzwischen fast zehn Jahre umspannen, wurden jüngst auf einer Web-Pressekonferenz von Sanofi erläutert.
Der gegen CD52 gerichtete monoklonale Antikörper führt zu einer Depletion zirkulierender T- und B-Zellen mit anschließender Repopulation1, schilderte Prof. Sven Meuth, Münster. Dadurch „kommt es zu einer Reorganisation des fehlgesteuerten Immunsystems“, die seiner Ansicht nach die bei vielen Patienten beobachtete nachhaltige Wirksamkeit erklärt. Gleichzeitig wird das angeborene Immunsystem nur gering und vorübergehend beeinflusst.
Neben Langzeitdaten aus der Verlängerung der Phase-II-Studie CAMMS223 liegen aus den Extensionen der Phase-IIIStudien CARE-MS I bei therapienaiven und CARE-MS II bei vorbehandelten MSPatienten Daten zu Alemtuzumab über bis zu neun Jahre vor. So blieb die jährliche Schubrate (ARR), die in den Kernstudien vs. IFNβ-1a (s.c.) signifikant stärker reduziert worden war, in den Jahren 3 – 9 niedrig (0,15 bei den therapienaiven bzw. 0,19 bei den vorbehandelten Patienten). Die Langzeitdaten zeigen ferner, dass die Impulstherapie mit dem Antikörper den Behinderungsgrad nach EDSS stabilisieren oder sogar langfristig verbessern kann. Außerdem war der gefürchtete Übergang von einer RRMS zu einer SPMS unter Alemtuzumab selten: Nach sechs Jahren konvertierten nur 1,1 % der therapienaiven und 3,7 % der vorbehandelten Patienten zu einer SPMS, während diese Rate in der vergleichbaren MSBase-Kohorte nach 5,8 Jahren bei 18 % lag.
Die Effekte der Alemtuzumab-Therapie wurden in der Real-World-Studie TREATMS an 779 Patienten mit (81,4 %) und ohne (14,8 %) vorangegangene DMT-Behandlung bestätigt: Unabhängig von Vortherapien ging die mittlere ARR unter Alemtuzumab von 1,6 auf 0,2 zurück, hob Meuth hervor, und der EDSS-Score blieb über die mittlere Beobachtungszeit von 1,6 Jahren stabilisiert (Veränderung: 0,0 Punkte). Schließlich war das Sicherheitsprofil von Alemtuzumab in TREAT-MS vergleichbar mit dem der CARE MS-Studien, wenngleich die Nebenwirkungsinzidenz mit der Anzahl an Vortherapien tendenziell anstieg. Dies „unterstreicht die Bedeutung einer rechtzeitigen Behandlung mit dieser hocheffizienten Therapie bei Patienten mit entsprechender Indikation“, sagte der Experte.
Alemtuzumab ist der aktualisierten Fachinformation zufolge bei Patienten mit hochaktiver MS trotz vollständiger und angemessener Behandlung mit mindestens einer krankheitsmodifizierenden Therapie (DMT) indiziert. Eine Indikation besteht außerdem bei Patienten mit rasch fortschreitender schwerer RRMS; dies ist definiert durch ≥ 2 Schübe mit Behinderungsprogression in einem Jahr, mit ≥ 1 Gd-anreichernden Läsionen im MRTHirnscan oder mit einer signifikanten Zunahme der T2-Läsionen gegenüber einer kürzlichen MRT.
„Insgesamt ist uns der Wirkstoff als wichtige Therapieoption erhalten geblieben“, fasste Meuth zusammen. „Wir können somit Patienten, die von einer solchen Impulstherapie profitieren, weiterhin mit Alemtuzumab behandeln.“ JL
Quelle: Web-Pressekonferenz „Therapieentscheidung mit Weitblick – Alemtuzumab im Fokus“. 17. März 2020; 
ICD-Codes: G35

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