RLS bei Migräne-Patienten | Neuro-Depesche 6/2016

Doppelt so häufig – und schwerer im Verlauf

In einer großen niederländischen Beobachtungsstudie wurde die aus vergangenen Studien berichtete erhöhte RLS-Prävalenz bei Migräne-Patienten überprüft. Zudem wurde geklärt, welche Rolle die Schlafqualität spielt. Die Ergebnisse waren eindeutig.

2385 Patienten mit einer Migräne (nach der International Classification of Headache Disorders ICHD-IIIb) und 332 Kontrollen ohne Kopfschmerz- Erkrankung wurden auf die Symptome eines RLS und deren Schwere (nach der International RLS Study Group Schweregradskala: 0–40 Punkte) untersucht. Zugleich wurde ihre Schlafqualität (nach dem Pittsburgh Sleep Quality Index, PSQI und dem Insomnia Severity Index, ISI) bestimmt. Mittels mehrerer adjustierter Regressionsmodelle wurde nach RLS-Risikofaktoren gesucht.
Die RLS-Prävalenz war in der Migräne- Gruppe fast doppelt so hoch wie unter den Kontrollen (n = 403 vs. 31; 16,9% vs. 8,7%), die mehrfach adjustierte Wahrscheinlichkeit (Odds Ratio) betrug 1,83 (95%-KI: 1,18–2,86; p = 0,008). Migräne-Patienten mit und ohne Aura waren in etwa gleichermaßen betroffen (18,5% vs. 15,9%), über 50-Jährige litten etwas häufiger an einem RLS (19,7%).
Zudem war auch die Schwere eines RLS im Migräne-Kollektiv signifikant ausgeprägter (durchschnittlicher adjustierter IRLSS-Score 14,5 vs. 12,0; p = 0,036), und die Prävalenz eines schweren oder sehr schweren RLS war deutlich häufiger (60/403 vs. 1/31; p = 0,036). Mit der RLS-Schwere bei den Migräne-Patienten verbunden waren außerdem ein Analgetika-induzierter akuter Kopfschmerz (p = 0,026) sowie die Einnahme von Ergotaminen (p = 0,045) und Migräne- Prophylaktika (p = 0,002).
Wie erwartet waren Personen mit schlechter Schlafqualität (PSQI ≥ 6) unter den Migräne-Patienten überrepräsentiert (50,1% vs. 25,6%; p < 0,001) und der durchschnittliche PSQI-Score war bei ihnen höher als in der Kontrollgruppe (6,5 vs. 4,1; p < 0,001). Es waren praktisch alle PSQI-Komponenten betroffen, darunter auch die Kopfschmerz-relevante Schlaffragmentierung.
Unabhängig von anderen Variablen war ein schlechterer Schlaf der Migräne-Patienten mit dem RLS assoziiert – sowohl mit dessen Prävalenz (OR: 1,08; p < 0,001) als auch mit dessen Schwere (p < 0,001). Mit durchschnittlichen Werten von 10,6 vs. 6,4 auf der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) litten die Patienten insbesondere signifikant stärker unter depressiven Symptomen (p < 0, 001) und wiesen auch eine tendenziell erhöhte Lebenszeit-Prävalenz an Depressionen auf.
Unter den 403 Migräne-Patienten mit RLS war der durchschnittliche PSQI-Score höher als bei den übrigen ohne RLS (7,4 vs. 6,3 Punkte; p < 0,001), und auch der Anteil an Patienten mit schlechtem Schlaf war unter ihnen größer (64,4% vs. 51,4%; p < 0,001). Schließlich erreichten die Migräne-Patienten mit RLS auch im Insomnia Severity Index schlechtere Werte als jene ohne RLS (9,5 vs. 8,1; p < 0,001) JL

Kommentar

Migräne-Patienten schlafen schlecht – und ein schlechter Schlaf kann offenbar nicht nur die Attacken triggern, sondern scheint auch RLS-Symptome zu fördern. Die doppelt so hohe Prävalenz und die deutlich höhere Schwere eines RLS bei Migräne-Patienten in dieser Studie bestätigt die bidirektionale Risikoerhöhung bei beiden Krankheitsbildern mit einer schlechten Schlafqualität als vermutlich vermittelndem Faktor.


Quelle:

van Oosterhout WP et al.: Restless legs syndrome in migraine patients: prevalence and severity. Eur J Neurol 2016 [Epub 21. März; doi: 10.1111/ene.12993]

ICD-Codes: G25.81 G43

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