Symptomatische Vertebralis-Stenosen | Neuro-Depesche 9/2015

Doch lieber keine Stents einsetzen?

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Stenosen von Vertebralarterien, die zu einem ischämischen Ereignis oder Infarkt führen, gehen mit einem hohen Schlaganfallrisiko einher. In der randomisierten, kontrollierten Phase-II-Studie Vertebral Artery Stenting Trial (VAST) der niederländischen Herzstiftung wurden nun symptomatische Stenosen mit Stent oder Medikamenten allein behandelt.

Zwischen 2008 und 2013 wurden Patienten mit einer intra- oder extrakranialen symptomatischen Vertebralarterien-Stenose (≥ 50%) und kürzlich erlittenen ischämischen Attacken oder kleineren Infarkten rekrutiert. Nach dem ersten Todesfall wurde die Aufnahme in die Studie nach 115 Patienten gestoppt.
Randomisiert erhielten 49 Patienten einen Stent (plus Clopidogrel und ASS oder einen Vit.-K Antagonisten) und 57 eine optimierte Medikation (Thrombozytenaggregationshemmer etc.). Das mediane Intervall zwischen Ereignis und Studieneinschluss betrug 25 Tage, das zwischen Randomisierung und der Stent-Anlage sieben Tage.
Ein vaskulär bedingter Tod, Myokardinfarkt oder Schlaganfall innerhalb der ersten 30 Tage nach Therapiebeginn war der primäre (zusammengesetzte) Studienendpunkt. Diesen erreichten drei Patienten der Stent-Gruppe (5%), in der Medikamentengruppe aber nur einer (2%). Alle vier erlitten einen vertebrobasilären Infarkt, einer in der Stent-Gruppe verstarb daran.
Während des medianen Follow-up-Zeitraums von drei Jahren (1,3–4,1 Jahre) erreichten den primären Endpunkt elf Patienten mit Stent (19%) und zehn der medikamentös Behandelten (17%). In diesem Zeitraum erlitten 12% vs. 7% einen Infarkt im Versorgungsgebiet der symptomatischen Vertebralarterie.
Schwere Nebenwirkungen traten bei 60 Patienten der Stent- Gruppe (darunter acht Schlaganfälle) und bei 56 Patienten der Vergleichsgruppe (sieben Schlaganfälle) auf. Diese verliefen bei einem Teilnehmer der Stent-Gruppe und dreien der Medikamenten- Gruppe tödlich. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Bei einer mit der medikamentösen Behandlung vergleichbaren Effizienz ging die Stent- Anlage bei Patienten mit symptomatischer Vertebralarterien-Stenose mit einer hohen periprozeduralen Mortalität einher – jeder 20. starb. Der fragliche Nutzen des Stents ergibt sich u. a. auch aus der relativ niedrigen Rate an vertebrobasilären Infarkten in der Nachbeobachtungszeit unter alleiniger Medikation.

Quelle:

Compter A et al.: Stenting versus medical treatment in patients with symptomatic vertebral artery stenosis: a randomised open-label phase 2 trial. Lancet Neurol 2015; 14(6): 606-14

ICD-Codes: I65.0

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