Polysomnographie-gestützte Studie | Neuro-Depesche 7-8/2016

Die Schlafarchitektur ist stark gestört

Schlafprobleme sind bei Parkinson-Patienten eher die Regel als die Ausnahme. Häufigkeit und Art der Schlafstörungen wurden jetzt in einer Polysomnographie-gestützten Querschnittsstudie detailliert unter die Lupe genommen.

Bei 50 Patienten wurden Schlaf/Müdigkeit mit der Parkinson's Disease Sleepiness Scale (PDSS) und der Epworth Sleepiness Scale (ESS) untersucht. Zusätzlich wurde von den indischen Neurologen eine Polysomnographie (PSG) durchgeführt. Alle Schlafbefunde wurden mit klinischen und soziodemographischen Merkmalen der Teilnehmer abgeglichen.
Die Patienten (46–70 Jahre; 70% männlich) waren seit durchschnittlich 5,3 Jahren erkrankt. Mit einem Durchschnittsscore von 25,3 im Teil III der UPDRS waren sie mittelgradig motorisch beeinträchtigt. Der durchschnittliche PDSS- und ESS-Score betrug 115,9 bzw. 5,86.
Eine Schlafstörung fand sich bei 35 Patienten (70%). 30 (60%) litten unter Ein- und 24 (48%) unter Durchschlafstörungen mit häufigem nächtlichen Erwachen. Relevante Tagesmüdigkeit (ESS > 10) wurde bei 15 Teilnehmern (30%) festgestellt. Die PSG ergab eine verringerte Gesamtschlafzeit (Durchschnitt: 5 h 10 min) bei 40 Patienten (80%). Die Schlaflatenz (normal bis zu 10 min.) lag bei 2–50, durchschnittlich 22,3 min, sie war bei 26 Patienten (52%) pathologisch verlängert. Die Schlafeffizienz (normal > 85%) betrug im Durchschnitt nur 72,9%, sie war in 38 Fällen (76%) deutlich reduziert.
In der Korrelationsanalyse standen Gesamtschlafzeit, Schlafeffizienz, Schlafzeit am Tage und Anteil des REM-Schlafs in klarer Relation zu Krankheitsdauer, -stadium und -schwere sowie dem PDSS-Score (jeweils p < 0,05). Periodische Beinbewegungen (Periodic Limb Movements in Sleep, PLMS, bei 36% der Patienten) und Symptome eines Restless Legs Syndroms (bei 20% der Teilnehmer) korrelierten ebenfalls mit Krankheitsdauer und -schwere (je p < 0,05).
Eine REM-Schlaf-bezogene Verhaltensstörung lag bei 20% und eine nächtliche Atemstörung (Apnoe/Hypopnoe-Index AHI > 5) bei 21 der 50 Patienten (42%) vor. Beide zeigten keine Zusammenhänge mit den diversen Krankheits- und Schlafvariablen, während ein Schnarchen (28%) mit den PDSS- und EDSS-Werten korrelierte. JL

Kommentar

Schlafprobleme können bei Parkinson-Patienten primär durch krankeitsbedingte Veränderungen der schlafregulierenden Hirnstrukturen, sekundär durch Begleiterscheinungen wie motorische, depressive und autonome Störungen und auch durch die Parkinson- Medikamente hervorgerufen werden. Diese Studie zeigt häufige und massive Störungen von Schlafarchitektur und Tagesfunktionalität, die meist miteinander und mit der Krankheitsprogression korrelierten.

Quelle:

Selvaraj VK, Keshavamurthy B: Sleep dysfunction in Parkinson's disease. J Clin Diagn Res 2016; 10(2): OC09-12 [Epub 1. Feb.; doi: 10.7860/JCDR/2016/ 16446.7208]

ICD-Codes: G20

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