Global Burden of Disease Study | Neuro-Depesche 11-12/2019

Die Hälfte aller Schlaganfälle ist vermeidbar

Zertifizierte Fortbildung
Der Schlaganfall ist nach ischämischen Herzkrankheiten weltweit die zweithäufigste Todesursache – und wird es voraussichtlich bis 2030 bleiben. Anhand der Daten der Global Burden of Diseases, Injuries and Risk Factors Study (GBD) 2017 wurden die Entwicklungen bei den Schlaganfällen weltweit untersucht. Immer noch spielen Einkommensunterschiede für die Mortalität eine maßgebliche Rolle, wobei die Beeinflussung modifizierbarer Risikofaktoren einen starken Einfluss hat.
Anhand der 1990 bis 2017 in 195 Ländern erhobenen Daten wurden die Trends in Bezug auf die globale und einkommensspezifische altersstandardisierte Inzidenz, Prävalenz und Mortalität von Schlaganfällen analysiert. Hier einige der von den Autoren hervorgehobenen Ergebnisse.
Trotz einer absoluten Zunahme aller Schlaganfallereignisse von 6,8 auf 11,9 Mio. (+ 76 %) ist ihre altersstandardisierte Inzidenzrate weltweit von 1990 bis 2017 um 11 % auf 150,5 pro 100.000 Menschen im Jahr 2017 gesunken. Dabei betrug die Abnahme in Ländern mit niedrigem Einkommen (Low income countries, LIC) 15 %, mit niedrig-mittlerem Einkommen (LMIC) 16 % und mit hoch-mittlerem Einkommen (UMIC) 6 %. Sie war in Ländern mit hohem Einkommen (HIC; darunter Deutschland und USA) mit 21 % am höchsten.
 

Diese Entwicklung ging – vermutlich wegen der längeren Überlebenszeiten – mit einem Anstieg der altersstandardisierten Schlaganfall-Prävalenz von 1990 bis 2017 um insgesamt 3,1 % einher, erneut gegenüber armen Ländern (+ 3 %) am stärksten in den reichen Ländern (+ 8 %). So betrug der Rückgang der altersstandardisierten Schlaganfallsterblichkeit im selben Zeitraum 33,4 %, wieder mit erheblichen Unterschieden (z. B. LIC: -25 %; HIC -56 %).

Im Jahr 2017 waren weltweit 5,2 Millionen Schlaganfall-Todesfälle (45 %) auf veränderbare Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht, Diabetes etc.) zurückzuführen. Deren Ranking 1990 und 2017 zeigt die Tabelle unten.
Erfreulich ist, dass die altersstandardisierten (ischämischen und hämorrhagischen) Schlaganfall-Mortalitätsraten, die modifizierbaren Risikofaktoren zuzuschreiben sind, seit 1990 um fast 34 % gesunken sind. Dies war wieder vor allem in den wohlhabenderen Ländern der Erde der Fall (HIC: -58 %).
Hier nicht dargestellt ist der teilweise sehr große Einfluss des soziodemografischen Status (nach Socio-demographic Index, SDI) auf Inzidenz, Prävalenz und Mortalität bei Schlaganfall und auch auf die Schlaganfall- Risikofaktoren, der insgesamt zuungunsten der ärmeren Menschen ausfiel. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Fast die Hälfte aller durch Schlaganfälle weltweit verursachten Todesfälle sind auf eine unzureichende Kontrolle modifizierbarer Risikofaktoren zurückzuführen und daher potenziell vermeidbar. Anhand der GBD-Zahlen ist es möglich, die effektivsten länderspezifischen Präventionsstrategien zu identifizieren. Die Autoren fordern, gerade bei Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status Vorsorge und Screening zu intensivieren. Ansonsten besteht auch beim Schlaganfall weiterhin ein Ungleichgewicht zwischen ärmeren und reicheren Ländern.
Quelle: Avan A et al.: Socioeconomic status and stroke incidence, prevalence, mortality, and worldwide burden: an ecological analysis from the Global Burden of Disease Study 2017. BMC Med 2019; 17(1): 191 [Epub 24. Okt.; doi: 10.1186/s12916-019-1397-3]

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