Prävention und Behandlung perinataler Depression | Neuro-Depesche 9/2018

Die Familientherapie hilft!

Zur Therapie von Frauen mit perinataler Depression werden häufig familientherapeutische Interventionen eingesetzt. In einer systematischen Übersichtsarbeit und Metaanalyse untersuchten nun US-amerikanische Psychiater, inwieweit die betroffenen Patientinnen und ihre Familien von einer Familientherapie profitieren.

Insgesamt sieben Studien (fünf davon randomisierte/kontrollierte und zwei randomisierte Cluster-Studien; zwei Behandlungs-, fünf Präventionsstudien) wurden ausgewählt. Die familientherapeutischen Interventionen basierten auf einer kognitiv-verhaltenstherapeutischen Paartherapie oder auf einer Psychoedukation. Überprüft wurde die Hypothese, dass die Effekte der Interventionen auf die depressiven Symptome der Mutter abhängig sind von Interventionsart (Prävention oder Behandlung), „Dosis“ (durchschnittl. Behandlungsdauer, Anzahl der absolvierten Sitzungen) und Ausmaß der familiären Beteiligung (durchschnittl. Anzahl der Interventionen bei Müttern und erwachsenen Familienmitgliedern).
Insgesamt nahmen 801 Mütter und ihre Partner teil (Interventionsgruppe n = 416, Kontrollgruppe mit universellen Präventiosnmaßnahmen n = 385). Für die beiden Behandlungsstudien wurden nur Mütter rekrutiert, die post partum die Kriterien einer Major Depression (n = 107) erfüllten. In den anderen Studien waren auch Mütter mit einem erhöhten Depressionsrisiko. Das Durchschnittsalter der Frauen betrug 31,1 Jahre.
Die depressive Symptomatik der Mütter ging durch die Intervention im Gesamtkollektiv gegenüber den Ausgangswerten signifikant um 0,178 zurück (95%-KI: -0,1317 bis -0,039; p = 0,01). Im Vergleich zur Kontrollgruppe lagen die entsprechenden Werte bei -0,373 (Prävention; p = 0,04) bzw. bei -0,523 (therapeutische Intervention; p = 0,05). Bei den Müttern der Kontrollgruppe ergab sich im Gruppendurchschnitt dagegen keine signifikante Besserung.
Für die Präventionsstudien zeigte sich, dass die depressiven Symptome bei den Müttern, deren Familienmitglieder an mindestens 80% der Sitzungen teilgenommen hatten, signifikant stärker reduziert wurden als bei jenen Müttern, deren Partner signifikant weniger Sitzungen besucht hatten (p = 0,05 bzw. p = 0,87). Eine weitere Assoziation – wenn auch nur als Trend – bestand zwischen Anzahl und Dauer der Sitzungen und der Symptombesserung: Eine Signifikanz darin (p = 0,06) ergab sich nur für die Mütter, die bei sechs oder mehr Sitzungen mit einer Gesamtdauer von mindestens 12 Stunden anwesend waren. GS

Kommentar

Diese Metaanalyse belegt den Nutzen einer familientherapeutischen Intervention für Mütter mit perinataler Depression – in deren Behandlung als auch deren Prävention. Der Effekt war am stärksten, wenn die Familienmitglieder mindestens 80% der Sitzungen besucht hatten. Dies entspricht der Annahme, dass die Interventionen die Paarbeziehung stärken; eine gute Partnerschaft wird als Schutzfaktor gegen Depressionen angesehen. Die Autoren fordern, potenzielle Barrieren wie Stigmatisierung der Mütter und fehlende Kostenübernahmen durch die Krankenversicherung abzubauen.


Quelle:

Cluxton-Keller F, Bruce ML: Clinical effectiveness of family therapeutic interventions ... PLoS ONE 2018; 13(6): e0198730 [Epub 14. Juni; doi.org/10.1371/ journal.pone.0198730]

ICD-Codes: O99.3

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