US-Veteranen mit Morbus Parkinson | Neuro-Depesche 5/2018

Deutlich mehr kardiovaskuläre Risikofaktoren?

Zertifizierte Fortbildung
Körperliche Begleiterkrankungen und kardiovaskuläre Risikofaktoren wie Bluthochdruck und Diabetes können Verlauf und Progression des idiopathischen Parkinson-Syndroms beeinflussen. Diese Zusammenhänge wurden jetzt in einer retrospektiven Fallkontrollstudie mit US-Kriegsveteranen näher untersucht.
Unter 98 Teilnehmern einer Bildgebungsstudie mit Morbus Parkinson an der University of Michigan wurden 29 männliche Veteranen mit 29 auf Alter, Geschlecht, Krankheitsdauer etc. gematchten Nicht-Veteranen der Restgruppe verglichen. Von allen existierten 3-Tesla-MRT- und 11C-Dihydrotetrabenazin (DTBZ)-PET-Aufnahmen und klinische Befunde einschließlich der Einnahme von Antihypertensiva und Statinen.
Die Parkinson-Symptomatik wurde mit der MDS-UPDRS Teil I bis III erfasst, die Kognition mit dem Montreal Cognitive Assessment (MoCA) untersucht. Die Belastung mit kardiovaskulären Risikofaktoren wurde mithilfe des vereinfachten Framingham 10-Jahres-Risikorechners (FR) quantifiziert. Der FR-Score, in den verschiedene Faktoren wie Alter, BMI, Nikotinkonsum, Blutdruck, Diabetes etc. einfließen, gibt das Risiko für ein kardiovaskuläres Ereignis in den nächsten zehn Jahren an.
Zwischen den beiden Patientengruppen ergaben sich keine signifikanten Unterschiede in Alter, Schwere der motorischen/nicht-motorischen Beeinträchtigungen nach MDS-UPDRS, striataler dopaminerger Denervierung nach DTBZ DVR-PET, MoCA-Scores etc. Allerdings berichteten die Veteranen, die im Übrigen deutlich weniger (Aus)Bildungsjahre (14,5 vs. 16,7 Jahre; t = 3.33, p = 0,002) aufwiesen, häufiger von Stürzen in der jüngsten Vergangenheit (11 vs. 3 Patienten; p = 0,014).
Die Veteranen mit PD zeigten in der einfachen Analyse signifikant höhere FR-Scores als die Nicht-PD-Veteranen (27,3% vs. 20,7%; p = 0,011). Auch nach Adjustierung auf Alter, Krankheitsdauer, (Aus-)Bildungsjahre und Antihypertensiva-Einnahme in einer multivarianten Regressionsanalyse blieb der Unterschied signifikant (p = 0,005) auf.
Der Vergleich des individuellen mit dem alters- und geschlechtsadaptierten normalisierten FR-Score ergab unter den Veteranen eine stärkere Belastung mit modifizierbaren kardiovaskulären Risikofaktoren (p = 0,016). Im Einzelnen zeigte sich bei den Veteranen u. a. ein starker Trend zu anamnestischem Nikotinkonsum (p = 0,057).
Obwohl sich das Gesamtvolumen an weißer und grauer Substanz (White bzw. Grey Matter, WM bzw. GM) zwischen den Gruppen nicht unterschied, wiesen die Veteranen tendenziell schwerere Schädigungen der WM im MRT (t = -1,97, p = 0,056) auf als die Nicht-Veteranen. JL
Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Bei Parkinson-Patienten wurden in der Vergangenheit verschiedene Assoziationen zwischen komorbiden körperlichen Krankheiten und Symptomen und der Parkinson- Progression identifiziert. Danach können Diabetes mellitus und Hochdruck-bedingte Schädigungen der weißen Substanz (White Matter, WM) mit der Haltungsinstabilität, der Schwere von Gangstörungen und Stürzen in Zusammenhang stehen. Ein Diabetes könnte mit stärkeren kognitiven Verschlechterungen einhergehen.

Quelle:

Kotagal V et al.: Cardiovascular risk factor burden in veterans and non-veterans with Parkinson disease. J Parkinsons Dis 2018; 8(1): 153-60

ICD-Codes: G20

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