Generika-Substitution

Neuro-Depesche 12/2007

Der Präparate-Wechsel ist oft heikel

Dass zunehmend auch für die atypischen Anti­psychotika Generika zur Verfügung stehen, wirft für Psychiater eine wichtige Frage auf. Wie stark gefährden einsparmotivierte Umstellungen die so zentrale und oft „zerbrechliche“ Compliance von Patienten mit psychotischen Erkrankungen?

Bereits die Äußerung des Arztes, er wolle ein anderes Präparat verordnen, kann den Patienten verunsichern, berichtete Priv.-Doz. Klaus-Christian Steinwachs, Nürnberg. Das kann an einer Überforderung speziell des Schizophrenie-Patienten liegen, wenn dieser statt der eigenen plötzlich die „Perspektive des Gesundheitssystems“ einnehmen soll. Nicht selten wird die meist mühsam etablierte Com­pliance unterminiert und oft gleich die ganze Therapie in Frage stellt.

So ergab eine niederländische Studie mit fiktiven Umstellungsszenarien von Risperidon und anderen Atypika auf Generika eine Reduktion des Anteils complianter Patienten von 96 auf 27%. Mangelnde Compliance kann bekanntlich kostentreibende Klinikaufnahmen zur Folge haben, wie Prof. Hans-Jürgen Möller, München, schilderte.

Nach einer Modellrechnung aus den Niederlanden geht die Umstellung von Originapräparat auf orales Risperidon-Generikum mit einer Zunahme der Rezidivrate um 11,1% einher. So stehen dort der jährlichen Einsparung von ca. 300 Euro Mehrausgaben von knapp 5000 Euro pro Patient entgegen, die Sparintention verkehrt sich ins Gegenteil.

In der Leitlinie zur Generikasubstitution der deutschen Pharmazeutischen Gesellschaft findet sich u. a. der Hinweis, dass Neuroleptika nur substituiert werden sollen, wenn zuverlässige Bioäquivalenzdaten für das Generikum vorliegen. Danach dürfen Abweichungen der maximalen Konzentration und der Fläche unter der Konzentrationskurve 80 bis 125% betragen. Außerdem wird empfohlen, gerade bei psychischen Erkrankungen stets Compliance-relevante Faktoren zu berücksichtigen. Er selbst, so Möller, gebe bei Generikasubstitutionen der klinischen Stabilität des Patienten die oberste Priorität. (SN)

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