Kognitives Training am Computer | Neuro-Depesche 1-2/2018

Demenz-Inzidenz um ein Drittel verringert

Zertifizierte Fortbildung

Spezielle Kognitionstrainings können die kognitiven Fähigkeiten verbessern und altersbedingte funktionelle Verschlechterungen verzögern. Können sie aber auch die Entstehung einer Demenz beeinflussen? Nun wurde untersucht, inwieweit drei verschiedene kognitive Trainingsinterventionen am Computer das Demenz-Risiko über zehn Jahre verringern können.

An der vierarmigen Studie „Advanced Cognitive Training in Vital Elderly“ nahmen 2802 initial nicht-demente Menschen (MMST > 23) im Alter über 65 Jahre teil. Sie wurden zu einem von drei kognitiven Computer-basierten Trainings randomisiert: Bei 698 wurde versucht, die Geschwindigkeit der Informationsverarbeitung („Speed training“) zu erhöhen, bei 702 wurde das Gedächtnis trainiert und bei 690 die Problemlösung („Reasoning“). 695 zur Kontrollgruppe randomisierte Teilnehmer wurden nicht trainiert.
Die Trainings umfassten über sechs Wochen bis zu zehn Sitzungen. Nach elf und nach 35 Monaten fanden jeweils bis zu vier Booster-Sessions statt. Anhand verschiedener Merkmale (Interviews, Testergebnisse inkl. MMST < 22, Verschlechterung der komplexen Alltagsaktivitäten [IADL], fremdgestellte Demenzdiagnose etc.) wurden die Trainingseffekte auf die Demenz- Inzidenz über zehn Jahre (n = 1220) wiederholt bestimmt.
Im Durchschnitt waren die ACTIVE-Teilnehmer initial (76,2% weiblich) 73,6 Jahre alt und hatten einen MMST-Wert von 27,3 Punkten. Unter den 2802 Studienteilnehmern traten über die zehn Jahre 260 Demenzerkrankungen auf. Die Betroffenen waren älter, häufiger männlich und nicht weiß, schlechter ausgebildet, alkoholabstinent, diabetes- und herzkrank.
Das Training von Gedächtnis und Problemlösung reduzierte das Demenz-Risiko dabei tendenziell, aber nicht signifikant (Hazard Ratio [HR]: 0,79; p = 0,177 bzw. HR 0,79; p = 0,163). Das „Speed training“ hingegen verringerte das Demenz-Risiko gegenüber den Kontrollen im adjustierten Modell signifikant um 29% (HR: 0,71; 95%-KI: 0,50–0,998, p = 0,049). Dabei ergab sich in der Tat der postulierte „Dosiseffekt“: Für jede zusätzliche „Speed training“- Session wurde die Demenz-Wahrscheinlichkeit signifikant um 10% reduziert – auch adjustiert auf Alter, Geschlecht, Ethnie, depressive Symptome, Diabetes und Herzinsuffizienz (adj. HR: 0,90; 95%-KI: 0,85–0,95, p < 0,001). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Über einen Follow-up-Zeitraum von zehn Jahren wurde das Demenz-Risiko der Studienteilnehmer gegenüber den Kontrollen durch das „Speed training“ („Double Decision“, eine Komponente des Trainingsprogramms BrainHQ) um 29% reduziert. Ein derartiger, noch dazu „dosisabhängiger“ Effekt wurde zuvor noch für keine Einzelintervention berichtet. An anderer Stelle wurde errechnet, dass eine Intervention, die den Demenz-Beginn um nur zwei Jahre verzögert, die geschätzte Demenz-Prävalenz im Jahre 2047 um 22% verringern könnte.

Quelle:

Edwards JD et al.: Speed of processing training results in lower risk of dementia. Alzheimers Dement (NY) 2017; 3(4): 603-11

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