Junge psychiatrische Patienten | Neuro-Depesche 6/2013

Das Outcome ist nicht so schlecht

Trotz einer Remission leiden viele psychiatrische Patienten unter Residualsymptomen und sind psychosozial beeinträchtigt. In einer Langzeitstudie wurde untersucht, wie sich die klinischen Symptome sowie die sozialen und beruflichen Umstände bei jungen Patienten zwei Jahre später gestalten. Zusätzlich wurde versucht, Faktoren für ein positives oder negatives psychosoziales Outcome zu identifizieren. Der Fokus lag dabei – zu Recht – auf dem neuropsychologischen Funktionsniveau.

Von anfänglich 183 ambulant behandelten psychiatrischen Patienten konnten nach sechs bis 48, durchschnittlich 21,6 Monaten 93 in die Follow-up-Analyse eingeschlossen werden. Unter diesen durchschnittlich erst 21,6 Jahre alten Patienten (48 Männer) litten 34 unter einer Major Depression, 29 unter einer bipolaren Störung und 30 unter einer Psychose. Die ersten Symptome waren bei ihnen im durchschnittlichen Alter von 16,2 Jahren aufgetreten.

Die Patienten unterzogen sich diversen neuropsychologischen Tests zur Intelligenz (Wechsler Test of Adult Reading (WTAR), zum Gedächtnis (Spatial Span Length, SSP), Logik (Logical Memory percentage retention, LM-Ret), Lernen (Paired Associates Learning, PAL), zum Arbeitsgedächtnis (Trail making Test A und B, TMT-A/ TMT-B) und zur Verarbeitungsgeschwindigkeit (Rapid Visual Processing Hits, RVP-Hits). Die sozialen und beruflichen Fähigkeiten wurden mittels der Social and occupational functioning assessment scale (SOFAS) bestimmt, die krankheitsbedingten Einschränkungen anhand der WHO Disability Assessment Scale II (WHODAS II) und die Lebensqualität mittels WHO Quality of Life BREF (WHOQOL-BREF) erhoben.

Mit 53 Teilnehmern erfüllten zum Follow-up-Zeitpunkt mehr als die Hälfte die Kriterien für ein gutes psychosoziales Outcome (SOFAS-Score ≥ 61). Diese hatten in der Tat eine höhere Lebensqualität (p < 0,05), befanden sich häufiger in einem Arbeitsverhältnis (p < 0,001) bzw. in einer aktuellen Partnerschaft (p < 0,01), waren weniger stark behindert (p < 0,05) und bezogen seltener eine Erwerbsunfähigkeitsrente (p < 0,001) als jene mit einem schlechten Outcome. Sie hatten allerdings auch schon zu Beginn signifikant bessere SOFAS-Werte aufgewiesen (p < 0,001).

Eine bipolare Erkrankung war deutlich häufiger mit einem besseren Outcome (p < 0,01) und eine Psychose mit einem schlechteren Outcome assoziiert (p < 0,05). Die mit Abstand stärkste unabhängige Vorhersagekraft bezüglich des späteren Outcome nach SOFAS lieferten aber die Resultate der vier zu Studienbeginn durchgeführten neuropsychologischen Tests (SSP, LM-Ret, PAL, TMT-B). Diese erklärten in einem vielfach adjustierten Modell 47,5% der Varianz im funktionellen Outcome. NW

Quelle: Lee RS et al.: Neuropsychological and socio-occupational functioning in young psychiatric outpatients: a longitudinal investigation., Zeitschrift: PLoS ONE, Ausgabe 3 (2013)

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