Intensives Bewegungstraining bei dementen Heimbewohnern

Neuro-Depesche 4/2016

Das Gleichgewicht bessert sich – die Agitation nimmt ab

Zertifizierte Fortbildung

Unzählige Studien haben den positiven Einfluss von Bewegung auf die körperliche und geistige Fitness dementer Pflegeheimbewohner gezeigt. Ein über zwölf Wochen andauerndes intensives Bewegungsprogramm verbesserte jetzt in einer einfach geblindeten kontrollierten Studie den Gleichgewichtssinn und die Agitation der Betroffenen – signifikant und anhaltend.

Aufgenommen wurden 170 Bewohner von 18 Pflegeheimen in Oslo im Durchschnittsalter von 86,9 Jahren mit einer leichteren bis mittelschweren Demenz (durchschnittlicher MMST 15,5–15,7). 31% konnten ohne Hilfsmittel gehen, und weniger als 10% waren auf einen Rollstuhl angewiesen. 87 wurden nach Randomisierung der Interventionsgruppe (intensives Bewegungsprogramm über zwölf Wochen), 83 dem Kontrollkollektiv zugeteilt. Exercise and Dementia (EXDEM) bestand aus intensiven, speziell auf die Patienten zugeschnittenen Übungen zur Stärkung der Muskelkraft und der Balance. Es fand in kleinen Gruppen zweimal pro Woche statt und dauerte jeweils 50 bis 60 Minuten, während die Kontrollgruppe nur Freizeitaktivitäten ausübte. Nach den zwölf Wochen erfolgten über ebenfalls zwölf Wochen keine weiteren Übungen mehr („Detraining“).
Die körperliche und geistige Fitness der Patienten wurde zu Beginn der Studie und während der insgesamt sechsmonatigen Dauer u. a. mit dem Berg-Balance-Test (BBS) und dem 30-s- Chair-Stand-Test (CST) sowie mit der Clinical Dementia Rating Skala (CDR), dem MMST und dem Neuropsychiatrischen Inventar (NPI) geprüft.
30 Teilnehmer schieden vorzeitig aus. Anfänglich wiesen alle Personen im BBS einen durchschnittlichen Score von 35 auf, zwei Drittel hatten einen Wert < 45 Punkten und waren damit erhöht sturzgefährdet. In der Interventionsgruppe hatte sich der BBS-Score nach insgesamt sechs Monaten gegenüber Baseline (nicht signifikant) um durchschnittlich 2,7 Punkte verbessert. Im selben Zeitraum hatte sich der Score im Kontrollkollektiv verschlechtert (-1,5). Der Unterschied zwischen den beiden Gruppen war signifikant (p = 0,031). Im CST ergab sich im Interventionsarm eine nur tendenzielle Besserung der Beinstärke (Aufstehhäufigkeit: +0,8).
Im NPI-Subscore Agitation hatten die aktiv behandelten Teilnehmer nach sechs Monaten besser abgeschnitten; auch hier war der Unterschied gegenüber der Kontrollgruppe signifikant (p = 0,045). In der Besserung des NPI-Summenscores wurde die Signifikanz gegenüber der sich verschlechternden Kontrollgruppe dagegen knapp verfehlt (p = 0,059). Die Demenzschwere nach CDR und MMST zeigte im Gruppenvergleich keine signifikant unterschiedliche Entwicklung. GS


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Bisher wurde nur selten untersucht, ob die positiven Auswirkungen eines „Trainings“ von dementen Pflegeheimbewohnern auch nach dessen Ende anhalten. Wie diese randomisierte Studie zeigt, kann ein intensives Bewegungsprogramms das Gleichgewicht anhaltend verbessern – und zugleich die Agitation der Patienten über sechs Monate verringern. Weitere Studien sollten sich den Autoren zufolge dem Einfluss auf die geistigen Fähigkeiten von Heimbewohnern mit leichter bis mittelschwerer Demenz widmen.

Quelle:

Telenius EW et al.: Long-term effects of a 12 weeks highintensity functional exercise program on physical function and mental health in nursing home residents with dementia: a single blinded randomized controlled trial. BMC Geriatrics 2015; 15: 158 [Epub 3. Dez.; doi 10.1186/s12877-015-0151-8]

Das könnte Sie auch interessieren

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

x