Sekundär progressive MS (SPMS) | Neuro-Depesche 5-6/2020

Computergestützte kognitive Reha hilfreich?

Kognitive Beeinträchtigungen sind bei MS-Patienten überaus häufig, bei progressiven MS-Formen jedoch tendenziell stärker ausgeprägt – mit negativen Auswirkungen auf die Alltagsbewältigung. Profitieren Patienten mit sekundärer progressiver MS (SPMS) von einer computergestützten kognitiven Neurorehabilitation? Dies wurde jetzt in Griechenland randomisiert und kontrolliert untersucht.
In die multizentrische Studie wurden 36 SPMS-Patienten mit kognitiven Defiziten eingeschlossen und zu einem (erstmaligen) Training mit der RehaCom™-Software (n = 19) oder einer Kontrollgruppe (KG; n = 17) randomisiert.
Die Intervention bestand aus 24 domänen- und aufgabenspezifischen 45-minütigen Sitzungen, die drei Mal pro Woche über einen Zeitraum von acht Wochen von den Patienten zu Hause durchgeführt wurden. Die Kontrollen führten mit gleicher Häufigkeit und Dauer unspezifische Computer-Aktivitäten durch.
Primärer Studienendpunkt waren die kognitiven Veränderungen auf der Brief International Cognitive Assessment for Multiple Sclerosis (BICAMS), sekundär wurden die depressiven Symptome (nach BDI-FS), Fatigue (nach der MFIS) und die Lebensqualität nach der visuelle Analogskala (VAS) des EuroQol EQ-5D) beurteilt.
In der Interventionsgruppe kam es im BICAMS mit jeweils hohen Effektgrößen gegenüber den Kontrollen zu signifikanten Verbesserungen beim verbalen Lernen (z: -4,759; p < 0,0005) und beim visuellen Gedächtnis (z: -3,940; p < 0,0005) sowie bei der Informationsverarbeitungsgeschwindigkeit (z: -4,792; p < 0,0005).
Außerdem ergaben sich zugunsten der RehaCom™-Gruppe signifikante Unterschiede in der Fatigue nach MFIS – sowohl physisch (z: -3,308; p = 0,001) als auch kognitiv (z: -4,011; p < 0,0005), psychosozial (z: -3,308; p = 0,010) und allgemein (z: -2,623; p = 0,008). Zudem fielen die Werte für die Depressivität (z: -2,730, p = 0,006) und die gesundheitsbezogene Lebensqualität [z: -4,239; p < 0,0005) der Patienten ebenfalls deutlich günstiger aus als in der Kontrollgruppe. HL

Kommentar

Diese Daten liefern den ersten Nachweis für die Wirksamkeit einer computergestützten kognitiven Rehabilitation bei SPMS-Patienten, die ausschließlich zu Hause angewendet wird. Dies deutet darauf hin, dass auch bei progredienten MS-Verläufen noch eine adaptive Neuroplastizität genutzt werden kann.
Quelle: Messinis L et al.: Do secondary progressive multiple sclerosis patients benefit from computer-based cognitive neurorehabilitation? a randomized sham controlled trial. Mult Scler Relat Disord. 2020; 39: 101932 [Epub 7. Jan.; doi: 10.1016/j.msard.2020.101932
ICD-Codes: G35

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