Komplexe Geh- und Gleichgewichtstests | Neuro-Depesche 10/2018

CIDP mit anderen Polyneuropathien verglichen

Wie unterscheiden sich Patienten mit einer chronisch inflammatorischen, demyelinisierenden Polyneuropathie (CIDP) von solchen mit anderen, nicht entzündlichen Polyneuropathien? Dies wurde jetzt in komplexen Tests zur Gleichgewichtskontrolle untersucht.

Teilnehmer waren elf Patienten mit stabiler CIDP (acht Männer, durchschnittliches Alter 61,1 Jahre) und zehn mit einer nicht-entzündlichen Polyneuropathie (non-inf PNP) (ausschließlich Männer, durchschnittliches Alter 68,5 Jahre) sowie 18 alters- und geschlechts-gematchte gesunde Kontrollen. Die PNP-Schwere wurde mit dem Neuropathy Impairment Score in the Lower Limbs (NIS-LL) erfasst. Mit am Körper getragenen Gyroskopen gemessen wurden die Gehgeschwindigkeit sowie das Gleichgewicht im Stehen und im Gehen anhand der Rumpfschwankungsneigung, -auslenkung und -geschwindigkeit. Zusätzlich floss die subjektive Bewertung des Gleichgewichts anhand des Dizziness Handicap Inventory (DHI) in einen globalen Balance Control Index (BCI) ein.
Die beiden PNP-Gruppen schnitten gegenüber den Gesunden in fast allen Parametern signifikant schlechter ab. Dies betraf die Gehgeschwindigkeit, bei der die Patienten für 8 m etwa 7 sec länger brauchten, sowie die Rumpfschwankung beim Tandem-Gehen, Fersen-Gehen, zweibeinigen Stehen mit geschlossenen Augen auf einer festen/weichen Unterlage etc., die bei den Patienten jeweils größer ausfiel.
Die CIDP-Patienten wiesen im NIS-LL (17,9 vs. 13,5 Punkte), im DHI (27,6 vs. 22,6 Punkte) und im BCI (438,6 vs. 407,6) jeweils etwas schlechtere Werte auf als die non-inf PNP-Gruppe, doch waren die Unterschiede nicht signifikant (Ausnahme motorischer Subscore der NIS-LL: 11,2 vs. 2,7 Punkte). Auch die Gehgeschwindigkeit war fast gleich (1,1 vs. 1,0 m/s).
Dies traf auch auf die meisten Parameter der Rumpfschwankung zu. Signifikant fielen die Unterschiede allerdings in zwei Schwankungsparametern aus: Anders als die non-inf PNP-Patienten und die Gesunden zeigten die CIDP-Patienten keine Reduktion a) der Rumpfschwankungsgeschwindigkeit beim langsamen Gehen und b) der Neigungs(‚Pitch‘) -Geschwindigkeit beim Gehen mit geschlossenen Augen. Den Autoren zufolge fehlt dieses Kompensationsmuster, das zu einem erhöhten Sturzrisiko beitragen könnte, bei der CIDP vermutlich aufgrund der Leitungsprobleme in efferenten bzw. motorischen Nervenfasern. HL

Kommentar

Ein wichtiges klinisches Merkmal bei PNP-Patienten ist die Steh- und Gangunsicherheit, die zumeist auf einer gestörten propriozeptiven Rückmeldung über sensible Fasern beruht. Bei der non-inf PNP sind die Leitungsstörungen klar längenabhängig, bei der CIDP von der Nervenfaserlänge unabhängig. Zudem sind bei den CIDP-Patienten häufiger zusätzlich efferente bzw. motorische periphere Neven betroffen.


Quelle:

Findling O et al.: A comparison of balance control during stance ... PLoS One 2018; 13(2): e0191957 [Epub 23. Feb.; doi: 10.1371/journal.pone.0191957]

ICD-Codes: G62.9

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