Temporallappen-Resektion heute | Neuro-Depesche 10/2018

Chirurgische und neurologische Komplikationen im Therapiealltag

Zertifizierte Fortbildung

Die Temporallappen-Epilepsie (TLE) ist die häufigste fokale Epilepsie. Die chirurgische Resektion des epileptogenen Fokus – meist durchgeführt als anteriore Temporallobektomie (ATL) – hat sich als sehr wirksam und sicher, aber nicht unbedingt als komplikationsarm erwiesen. Ihre Erfahrungen mit den chirurgischen und neurologischen Komplikationen nach einer ALT schilderten jetzt Neurochirurgen in einer Fallserie.

53 medikamentös therapierefraktäre TLE-Patienten (19–55, durchschnittlich 30,4 Jahre) hatten sich zwischen Nov. 2009 und Jan. 2017 nach umfangreichen Voruntersuchungen (EEG, MRT, PET etc.) einer anterioren TL-Resektion (ALT) in Form einer Kortiko-Amygdalo-Hippokampektomie (CAH) durch einen erfahrenen Neurochirurgen unterzogen. Die Nachbeobachtungszeit betrug mindestens 12 Monate. Alle Patienten wurden retrospektiv auf postoperative chirurgische, neurologische und sonstige Komplikationen untersucht.
Der Eingriff erfolgte bei 34 Patienten (64%) links- und bei 19 (36%) rechtsseitig. Bei zehn Patienten (18,8%) war eine invasive Stereoelektroenzephalographie (SEEG) vorausgegangen (in sieben Fällen mit intrakraniellen Tiefenelektroden und in drei Fällen mit subduralen Elektroden). Alle wiesen in der anschließenden Histopathologie eine Hippokampussklerose auf.
Kein Patient verstarb. Die postoperative Erholung verlief bei 43 Patienten (81%) ohne größere Probleme, zehn Patienten (19%) entwickelten Komplikationen. Drei Patienten (5,6%) mussten sich komplikationsbedingt einer Nachoperation unterziehen, die übrigen wurden medikamentös weiterbehandelt oder zeigten eine spontane Wiederherstellung.
Unter den chirurgischen Komplikationen (13,2%) waren drei epidurale Hämatome, ein Hämatom in der Resektionshöhle (zusammen mit einem Subduralhämatom) und zwei Liquor-Ansammlungen subgaleal (= zwischen Schädel und Kopfhaut), die perkutan entfernt werden konnten, sowie eine sieben Tage nach der Operation aufgetretene Meningitis (die mit intravenösen Antibiotika über zehn Tage erfolgreich und folgenlos behandelt werden konnte).
Unter den neurologischen Komplikationen (5,8%) befanden sich eine Hemiparese in zwei Fällen und eine leichte Fußparese bei einem Patienten (bei dem eine Infarzierung im Versorgungsgebiet der medialen Zerebralarterie nachweisbar gewesen war).
Alle Komplikationen waren vorübergehender Natur: Sie hatten sich 48 h postoperativ merklich gebessert und waren nach spätestens drei Monaten verschwunden. Erfreulicherweise entwickelte keiner der operierten TLE-Patienten einen Langzeitschaden. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Die anteriore Temporallobektomie (ATL) wird heute meist als Kortiko-Amygdalo-Hippokampektomie, CAH) oder als selektive Amygdalo-Hippokampektomie (selAH) durchgeführt. Sie bewirken der Literatur zufolge bei 82% bzw. 90% der Operierten ein günstiges Langzeit-Outcome (Engel-Klasse I oder II). Wie die aktuelle türkische Fallserie zeigt, dürfen TLE-Patienten heutzutage in der Tat von einem niedrigen Operationsrisiko und einer sehr geringen Langzeitkomplikationsrate ausgehen.

Quelle:

Ahmedov ML et al.: Surgical and neurological complications in temporal lobe epilepsy surgery in modern era. Surg Neurol Int 2018; 9: 134 [Epub 13. Juli; doi: 10.4103/sni.sni_99_18]

ICD-Codes: G40.2

Alle im Rahmen dieses Internet-Angebots veröffentlichten Artikel sind urheberrechtlich geschützt. Alle Rechte, auch Übersetzungen und Zweitveröffentlichungen, vorbehalten. Jegliche Vervielfältigung, Verlinkung oder Weiterverbreitung in jedem Medium als Ganzes oder in Teilen bedarf der schriftlichen Zustimmung des Verlags.

Ihr Zugang zu exklusiven Inhalten für Fachkreise

Login für Fachkreise

Neu registrieren

Passwort vergessen?