Chronische Aphasie nach Schlaganfall | Neuro-Depesche 10/2015

Chancen der individuell angepassten tDCS

Zertifizierte Fortbildung

Die transkranielle direkte Stromstimulation (tDCS) könnte dazu beitragen, dass sich die Sprachstörungen von Patienten nach einem Schlaganfall bessern. Über das individuelle Ansprechen auf verschiedene Stimulationsbedingungen ist allerdings noch wenig bekannt. In den USA wurde jetzt in einem aufwändigen Studiendesign geprüft, ob sich mit einer individuell angepassten tDCS dauerhaft etwas gegen die chronische non-fluente Aphasie bei Schlaganfall-Patienten ausrichten lässt.

Es handelte sich um eine zweiphasige Studie: Im ersten Schritt erhielten 12 Patienten mit linksseitigem Infarkt zunächst in wechselnder Folge und im Abstand von mehreren Tagen eine frontale tDCS (2 mA über 20 Min) mit vier Elektroden - Anordnungen (Anode/Kathode aktiv, links/rechts) oder eine Schein-Stimulation. Während der Prozedur wurde ein Test mit 80 Items zum Benennen von Bildern des International Picture Naming Project (IPNP) angewendet. Dessen Resultate wurden ausgewertet im Hinblick auf die Variabilität und das optimale Ansprechen auf die verschiedenen Stimulationsanordnungen.
Unter den sieben Respondern der ersten Phase wurden in der zweiten Phase je drei zu der wirksamsten echten und einer Schein-tDCS über zehn Tage randomisiert. Danach erhielten auch die scheinstimulierten Patienten über ebenfalls zehn Tage die echte tDCS.
In Phase 1 wurde – bei großer individueller Reaktionsbreite – der größte durchschnittliche Effekt nach einer links-kathodalen Stimulation in drei Fällen beobachtet, doch auch auf die links-anodale tDCS sprachen drei Patienten an. Zusammengenommen waren die Effekte gegenüber der Schein-tDCS signifikant. Nach der kurzfristigen Besserung im Bild-Benennen respondierten sieben der 12 Personen auf mindestens eine Elektroden-Anordnung.
In Phase 2 verringerte sich die Aphasie-Schwere nach dem WAB-Aphasie- Quotienten (WAB-AQ), unter der (individuell am wirksamsten) tDCS bei den fünf verbliebenen Respondern sowohl nach zwei Wochen (p < 0,05) als auch nach zwei Monaten (p < 0,001) signifikant. Dabei hatten sich nach zwei Monaten auch die WAB-Subscores für freies Sprechen signifikant (p = 0,0194) sowie für das Benennen (p = 0,084) und Wiederholen (p = 0,076) tendenziell gebessert. Das Defizit im Verstehen von Gesprochenem veränderte sich hingegen kaum (p = 0,46). Unter der Scheinstimulation kam es in keinem der Parameter gegenüber Baseline zu einer tendenziellen oder signifikanten Besserung. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Entwickeln Schlaganfall-Patienten eine chronische Aphasie, die sich unter der neurorehabilitativen Sprachtherapie nicht ausreichend bessert, könnte die tDCS hilfreich sein – sogar auf Dauer. Am wirksamsten zeigte sich in unerwarteter Weise die Platzierung der Kathode über dem linken Frontallappen, doch liegen zur optimalen Elektrodenanordnung und den Stimulationsparametern insgesamt sehr unterschiedliche Studienergebnisse vor, so dass die hier praktizierte individuelle Anpassung erstrebenswert erscheint. Die Zahl der behandelten Patienten war allerdings am Ende sehr gering, so dass hier umfangreichere Erfahrungen gewonnen werden müssen.

Quelle:

Shah-Basak PP et al.: Individualized treatment with transcranial direct current stimulation in patients with chronic non-fluent aphasia due to stroke. Front Hum Neurosci 2015; 9: 201 [Epub 21. Apr. 2015; doi: 10.3389/fnhum.2015.00201]

ICD-Codes: R47.0

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