Therapierefraktäre ADHS Erwachsener | Neuro-Depesche 1/2012

CBT mit großem Erfolg eingesetzt

Psychiater untersuchten in einer randomisierten, kontrollierten Studie, inwieweit die „Reasoning and Rehabilitation for ADHD Youths and Adults“ (R&R2ADHD), eine neue Form der kognitiven Verhaltenstherapie (CBT) auf Gruppenbasis, bei symp­tomatischen, bislang pharmakotherapierefraktären Patienten wirksam ist.

Die 34 Frauen und 20 Männer mit ADHS standen unter einer mindestens vierwöchigen stabilen Medikation mit Stimulantien wie Methylphenidat, mit Atomoxetin oder Bupropion und zeigten weiterhin eine relevante klinische Symptomatik. Die Hälfte nahm an der experimentellen Gruppen-CBT R&R2ADHD teil, während die übrigen Patienten bei fortgeführter Standardbehandlung („Treatment as usual“, TAU/MED) als Kontrollgruppe dienten. Die R&R2ADHD ist eine strukturierte manualbasierte CBT mit fünf Modulen zur Verbesserung der ADHS-Kernsymptome, der sozialen Kompetenz, der emotionalen Kontrolle und der Problemlösungs- und Organisationsfertigkeiten.

Das Therapieergebnis wurde direkt nach der Intervention sowie drei Monate später mittels verschiedener Parameter bewertet, darunter anhand der Schwere der ADHS-Symptome und der Beeinträchtigungen im Urteil unabhängiger Ärzte und aus Sicht der Betroffenen sowie der Veränderungen krankheitsbegleitender Probleme wie Angststörung (37%), Depression (65%), mangelnde emotionale Kontrolle etc..

Sieben der 27 CBT-Teilnehmer (26%) und sechs der TAU/MED-Gruppe (22%) beendeten die Studie vorzeitig. Nach Adjustierung auf verschiedene Baseline-Variablen kam es in der Interventionsgruppe gegenüber den Kontrollen nach Therapieende zu einer deutlichen Besserung der ADHS-Symp­tome nach dem ADHS-Teil der Kiddie-Schedule for ­Affective Disorders and Schizophrenia (K-SADS-PL) (p < 0,01). Der Therapieeffekt nach Cohen’s d war mittelgroß bis groß. Zum dreimonatigen Follow-up-Zeitpunkt war der signifikante Unterschied zwischen den Gruppe erhalten geblieben (p < 0,05) – und der Therapieeffekt weiterhin groß.

Darüber hinaus besserten sich auch die Begleitprobleme der Patienten zumeist mit mittleren bis großen Effektstärken. Bei Behandlungsende und beim Follow-up fiel auch die Selbstbewertung der Unaufmerksamkeit und der Hyperaktivität/Impulsivität nach der Barkley ADHD Current Symptoms Scale (BCS) sowie deren Gesamtscore signifikant zugunsten der CBT aus. Dies traf auch auf die Werte der Antisocial Scale und der Globalbeurteilung nach Clinical Global Impression (CGI) zu.

Die Unterschiede zwischen den beiden Gruppen verfehlten zwar zu Behandlungsende die Signifikanz in der Angst nach Beck Anxiety Inventory (BAI) und auch der Depression nach dem Beck Depression Inventory (BDI), sprachen aber drei Monate später signifikant für die CBT. Dieses Muster zeigte sich auch in etlichen weiteren Parametern wie den Werten der R&R2ADHD Training Evaluation Self-report Scale (RATE-S), der ADHD-Scale, der Emotional Control Scale und der Social Functioning Scales. JL

?! Dieser Studie zufolge kann die R&R2ADHD bei bislang pharmakotherapierefraktären Erwachsenen als umfassend nützlich angesehen werden: Es besserten sich nicht nur die Symptomkontrolle und begleitende Beeinträchtigungen, sondern auch die überaus häufigen komorbiden Probleme wie Angst, Depression und funktionelle Beeinträchtigungen auf verschiedenen Gebieten. Damit könnte diese CBT-Form – allein oder in Kombination mit Medikamenten – die Aussichten vieler Patienten möglicherweise entscheidend verbessern. Die Ergebnisse unterstützen außerdem die Empfehlung, dass die medikamentöse Therapie der ADHS im Rahmen eines multimodalen Behandlungskonzeptes erfolgen sollte.
Quelle: Emilsson B et al.: Cognitive behaviour therapy in medication-treated adults with ADHD and persistent symptoms: a randomized controlled trial., Zeitschrift: BMC psychiatry, Ausgabe 11 (2011), Seiten: 116

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