Deutsche Krankenkassendaten | Neuro-Depesche 9/2019

CAVE: Zu viele Demenz-Patienten erhalten TZA

Zertifizierte Fortbildung
Bei dementen Patienten, die ja häufig an komorbiden psychiatrischen Störungen wie Depressionen, Angst und Schlafstörungen leiden, wird aufgrund der Gefahr anticholinerger Nebenwirkungen eine restriktive Anwendung trizyklischer Antidepressiva (TZA) empfohlen. Doch wird dies befolgt? Anhand von Krankenkassendaten wurde nun die Häufigkeit von TZA-Verordnungen in Deutschland bei Demenz-Patienten untersucht.
Die Analyse basierte auf Verwaltungsdaten 2014/2015 der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Niedersachsen zu 20.357 älteren Patienten mit Demenz. Im Jahr 2015 wurden 1.125 von ihnen (5,5 %) mindestens einmal mit TZA behandelt, davon 31 % in allen vier Quartalen. Durchschnittlich waren dies 3,7 (± 2,6) Verordnungen pro Jahr, die zumeist von Hausärzten (n = 3.336; 67,9 %), seltener von Internisten (n = 822; 16,7 %) und noch seltener von Psychiatern/ Neurologen (n = 660; 13,4 %) stammten. Am häufigsten verschrieben wurden Amitriptylin (56,3 %), Doxepin (26,8 %) und Trimipramin (16,8 %).
Die Mehrheit der TZA-behandelten Demenz- Patienten (75,6 %) hatte bereits 2014 ein TZA erhalten, bei den übrigen war es die Erstverordnung. In dieser Kohorte (medianes Alter 80 Jahre; 77,4 % Frauen) waren depressive Syndrome (nur) bei 764 Patienten (67,9 %) kodiert worden. Bei den übrigen dürften andere Gründe für die Verschreibung vorgelegen haben. In einer Subgruppenanalyse wurde die TZA-Verschreibung vor und nach Demenz-Diagnose untersucht. Entgegen der Annahme, dass Ärzte eine TZA-Verschreibung nach der Diagnose aufgrund der aktuellen Richtlinien vermeiden würden, blieb sie nach der jeweiligen Demenz-Diagnose im Wesentlichen unverändert. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Eine relevante Anzahl von Demenz-Patienten in Deutschland erhält entgegen der Leitlinien TZA. Im Hinblick auf die Patientensicherheit sollten die medikamentösen Optionen bei depressiven Demenz-Kranken klarer kommuniziert werden –insbesondere den Hausärzten.
Quelle: Hessmann P et al.: Claims data analysis on the dispensing of ... Front Pharmacol 2019; 10: 841 [Epub 24. Juli; doi: 10.3389/fphar.2019.00841]

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