NNTTR-Spiegel bei ATTR

Neuro-Depesche 4/2021

Biomarker für Polyneuropathie und Therapieresponse?

Zertifizierte Fortbildung
Bei den Transthyretin(TTR)-Amyloidose (ATTR) kommt es zur Dissoziation des TTR- Tetramers zu Monomeren, die fehlgefaltet aggregieren und die bekannten Organ- schäden verursachen. Mithilfe eines neu entwickelten ELISA-Assays wurde nun bei Patienten mit familiärer Amyloid-Polyneuropathie (FAP) untersucht, ob die Spiegel an zirkulierendem nicht-nativem TTR (NNTTR) mit dem klinischen Status und dem Therapieansprechen korrelieren.
In die Studie eingeschlossen wurden 81 FAP-Patienten mit V30M-TTR-Mutation. Sie wiesen zu Baseline einen durchschnittlichen Polyneuropathie-Score (NIS) von 0 - 9 (58 %), von 10 - 20 (23,5 %) und von ≥ 21 (14,8 %) auf. Bei ihnen und 34 altersangepassten gesunden Kontrollen sowie zehn Patienten mit peripheren Neuropathien anderer Genese wurden die NNTTR-Plasmaspiegel bestimmt.
 
Nur Patienten und Mutationsträger positiv
Der neue Assay detektierte NNTTR-Plasmaspiegel bei allen FAP-Patienten und bei 20 von 33 präsymptomatischen V30M-TTR-Trägern, aber bei keiner Person der beiden Kontrollgruppen. Bei FAP-Patienten besteht allerdings generell nur eine sehr schwache (negative) Korrelation zwischen den NNTTR- und den tTTR-Spiegeln – sie scheinen voneineinander relativ unabhängig zu sein.
Die NNTTR-Spiegel sanken bei FAP-Patienten unter einer krankheitsmodifizierenden Therapie (mit dem TTR-Stabilisator Tafamidis, 1 x tägl. 20 mg) deutlich, sowohl nach 12 als auch nach 24 Monaten (je p = 0,0001). Allerdings wurde eine Reduktion der durchschnittlichen NNTTR-Spiegel nach zwölfmonatiger Behandlung sowohl bei den 49 Therapie-Respondern (-56,4 %) als auch bei den 32 Non-Respondern (-63,3 %) beobachtet.
Bemerkenswerterweise waren hohe NNTTR-Spiegel vor der Behandlung mit einer signifikant geringeren Wahrscheinlichkeit eines klinischen Ansprechens auf die Therapie (p = 0,0025) assoziiert. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar
Nach diesen Daten stellt zirkulierendes NNTTR einen krankheitsspezifischen Bio- marker für die ATTR-Polyneuropathie dar. Damit kann seine Bestimmung bei der Frühdiagnose nützlich sein U. a. empfeh- len die Autoren bei asymptomatischen Mutationsträgern die einmal jährliche NNTTR- bzw. NNTTR/tTTR-Bestimmung. Darüber hinaus kann die NNTTR-Reduktion durch eine adäquate Therapie, wie übrigens auch nach Lebertransplantation und unter Patisiran gezeigt, die Symptomatik bessern, jedenfalls wenn die initia- len Spiegel unterhalb einer kritischen Schwelle liegen. NNTTR könnte also in gewissem Maß die Therapieresponse vorhersagen.
Quelle: Jiang X et al.: A circulating, disease-specific, mechanism-linked biomarker for ATTR polyneuropathy diagnosis and response to therapy prediction. Proc Natl Acad Sci USA 2021; 118(9) [Epub 2. März; doi: 10.1073/pnas.2016072118]
ICD-Codes: G62.9
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