Vaskuläre Hirnläsionen im Alter | Neuro-Depesche 7/2006

Bestimmen „White-matter-lesions“ den kognitiven Abbau?

Schäden der weißen Substanz (White-matter-lesions, WML), wie sie mit der MRT festgestellt werden können, nehmen im Laufe des Lebens zu und sind im Alter recht häufig. Die klinischen Konsequenzen dieser Gewebeveränderungen, die zumeist (mikro-) vaskulären Ursachen zugeschrieben werden, sind noch unklar. In einer Subanalyse der Österreichischen Schlaganfall-Präventionsstudie (Austrian Stroke Prevention Study) wurde dies näher untersucht.

Aus einem Kollektiv gesunder Älterer ohne Vorgeschichte eines Schlaganfalls oder einer Demenz wurden 329 Freiwillige rekrutiert, die sich sequentiellen MRT-Aufnahmen und kognitiven Testungen unterzogen. Untersuchungszeitpunkte waren bei Studienbeginn sowie nach drei und sechs Jahren. Anfänglich waren die zu etwa gleichen Anteilen männlichen und weiblichen Teilnehmer durchschnittlich ca. 60 Jahre alt.

Die Zunahme des Volumens der WML in den Protonendichte-(1H)gewichteten MRT-Aufnahmen betrug in den sechs Jahren im Mittel 0,2 cm3 (0 - 31,4 cm3). Sie stand in signifikanter Beziehung zum anfänglichen Läsionsvolumen, zur Hirnatrophie in den konventionellen T2-gewichteten MRT-Aufnahmen und zum Vorliegen eines arteriellen Hypertonus.

Etliche der neuropsychologischen Testresultate hatten sich nach den sechs Jahren verschlechtert. Dabei korrelierte die WML-Zunahme signifikant mit einer schlechteren Merkfähigkeit, Konzeptbildung und visuopraktischen Fähigkeiten. Dies bestätigt den in der Cardiovascular Health Study (Stroke 2005) berichteten Zusammenhang zwischen WML und kognitiver Beeinträchtigung. Aber auch die Hirnatrophie – der mittlere Hirnparenchymverlust betrug hoch signifikante 2,3% – zeigte eine signifikante Relation zum Kognitionsabbau. Wurde die Hirnatrophie in das Auswertungsmodell einbezogen, relativierten sich die Zusammenhänge zwischen WML-Progression und Kognitionsverschlechterung.

Quelle: Schmidt, R: White matter lesion progression, brain atrophy, and cognitive decline: the Austrian stroke prevention study., Zeitschrift: ANNALS OF NEUROLOGY, Ausgabe 58 (2005), Seiten: 610

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