Zerebrales Blutvolumen nach ASPECTS | Neuro-Depesche 3/2016

Bester Prädiktor für das klinische Outcome nach Schlaganfall

Zertifizierte Fortbildung

Wie können Schlaganfallschwere und Prognose der Patienten möglichst genau eingeschätzt werden? In einer retrospektiven Studie war unter den per CT ermittelten Ischämie-Parametern das zerebrale Blutvolumen (CBV) nach der Alberta Stroke Program Early CT Score (ASPECTS)-Bewertung der beste Prädiktor für das klinische Outcome ist.

62 Patienten mit ischämischem Schlaganfall im vorderen Stromgebiet wurden bei Klinikaufnahme (≤ 8 h nach Symptombeginn) und 24 h später mittels CT ohne Kontrastmittel (NNCT), einer CT-Angiographie und CT-Perfusions-Scans (CTP) untersucht. 32 Patienten wurden daraufhin einer Thrombolyse oder Thrombektomie zugeführt.
ASPECTS ist eine Skala zum Vorhandensein oder Fehlen einer frühen Ischämie in zehn Hirnregionen (0 bis max. 10 Punkte). Die CTP-ASPECT- Scores der betroffenen Hemisphäre wurden errechnet aus dem zerebralen Blutfluss (cerebral blood flow, CBF) bzw. -volumen (CBV) und der durchschnittlichen Transitzeit (mean transit time, MTT). Dabei wurde für jede visuell erkannte oder gemessene Auffälligkeit in den zehn Regionen 1 Punkt abgezogen. CBV-ASPECTS minus MTT-ASPECTS ergab den CTP-ASPECTS-Mismatch. Nach bestimmten Algorithmen erfolgte eine quantitative und semi-quantitativ Auswertung.
Zur Beurteilung der prognostischen Aussagekraft von ASPECTS wurden weitere Faktoren erfasst, darunter die hämorrhagische Transformation (HT) nach ECASS-II-Einteilung, das Ausmaß von Rekanalisierung bzw. Reperfusion nach 24 h und das finale Infarktvolumen nach sieben Tagen im CT sowie die Schlaganfallschwere nach der National Institutes of Health Stroke Scale (NIHSS) initial, nach 24 h, 7 Tagen und 3 Monaten. Hauptzielparameter war die neurologische Beeinträchtigung nach der modifizierten Rankin Scale (mRS) nach drei Monaten (≤ 2 = gutes und > 2 = schlechtes Outcome).
Die semi-quantitativen und die quantitativen CTP-ASPECT-Scores waren hochsignifikant miteinander korreliert (p < 0,00001). CBF-, CBV- und MTT-ASPECTS waren bei den Patienten ohne HT und mRS ≤ 2 signifikant (invers) assoziiert mit dem finalen Infarktvolumen und dem mRS-Score nach drei Monaten (p zw. < 0,05 und < 0,00001). Der CTP-ASPECTS-Mismatch war wider Erwarten nur in der quantitativen Auswertung – leichtgradig, wenngleich signifikant – mit den radiologischen und klinischen Outcomes assoziiert (p zw. < 0,05 und < 0,02), nicht in der semi-quantitativen Analyse.
Der prognostische beste CTP-ASPECTS-Parameter für einen mRS-Wert ≤ 2 nach drei Monaten in der quantitativen Analyse war ein MTTASPECTS- Grenzwert von 3 (Sensitivität 73,8%; Spezifität 80%); und – noch aussagekräftiger – in der semi-quantitativen Analyse ein CBVASPECTS- Grenzwert von 9 (Sensitivität 78,6%; Spezifität 75%). JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Mit der visuellen Inspektion und den CTP-ASPECTS- Scores kann das absolute Ausmaß von Infarkt und Ischämie gut beurteilt werden können. Der semi-quantitative CBV-ASPECTS- Score stellt einen zuverlässigen Prädiktor für das Outcome der Patienten dar. Dies impliziert u. a., dass der Infarktkern (= niedriges CBV und CBF, hohe MTT) – unabhängig von der Penumbra-Größe – die wesentliche Outcome-Determinate ist.

Quelle:

Padroni M et al.: Cerebral blood volume ASPECTS is the best predictor of clinical outcome... PLoS One 2016; 11(1): e0147910 [Epub 29. Jan.; doi: 10.1371/journal.pone.0147910]

ICD-Codes: I64

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