Bei MS-induzierter Spastik

Neuro-Depesche 4/2014

Beschwerden durch THC/CBD deutlich reduziert

Bis zu 75% der Patienten leiden zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer MS-Erkrankung unter spastischen Beschwerden. Angesichts einer nicht-ausreichenden Wirksamkeit und/oder Verträglichkeits­problemen unter den herkömmlichen Antispastika stellt der als Oromukosal-Spray verfügbare Cannabinoid-Rezeptor-Modulator THC/CBD eine wertvolle neue Behandlungsoption dar. Beim 29. ECTRIMS-Kongress in Kopenhagen wurden von Experten die wichtigsten Therapieaspekte diskutiert und neue Studiendaten vorgestellt.

Etwa zwei Drittel der 2009 in der spanischen 6E-Studie befragten MS-Patienten berichteten eine Spastik jeglicher Schwere, etwa 40% davon von mittelschweren bis schweren spastischen Beschwerden. Dies geht mit teils erheblichen Beeinträchtigungen der Lebensführung und -qualität sowie höheren Behandlungskosten einher, berichteteTiina Rekand, Bergen/Norwegen. Dies betrifft nicht nur die Gehfähigkeit, sondern auch Miktionsstörungen, Fatigue, Schmerzen und Schlafprobleme. Dabei „kann Sativex die spastischen Symptome verbessern, ohne die Fahrtauglichkeit, die Kognition oder die Stimmung zu beeinträchtigen“, so die norwegische Expertin.

Dies zeigen mehrere beim ECTRIMS vorgestellte Studiendaten. So kam es in einer randomisierten Doppelblind-Studie an europäischen MS-Zentren unter THC/CBD (durchschnittlich 6,4 Hübe pro Tag) über 50 Wochen gegenüber Plazebo zu keinen nachteiligen Veränderungen der kognitiven Leis­tungsfähigkeit (nach PASAT I und II) und der Affektlage (nach BDI). Dabei kam es unter der allgemein gut vertragenen Therapie nach der Skala Global impression of change (GIC) bei mehr als 70% der Teilnehmer zur einer signifikant stärkeren Verringerung der Spastik, die Abbruchrate war gering, so Rekand. Spastische Beschwerden und Krämpfe nahmen unter THC/CBD (durchschnittlich 5,2 Hübe pro Tag) auch in einer deutschen prospektiven Beobachtungsstudie in den ers­ten vier bis sechs Wochen deutlich ab – ohne die Fahrfähigkeiten der Patienten, gemessen mit einem validiertem Computerprogramm, im Vergleich zur Baseline zu verschlechtern.

Aus seinem Behandlungsalltag berichtete Prof. Jürgen Köhler, Berg, positive Erfahrungen: Das u. a. auch in den DGN-Leitlinien als Add-on-Therapie empfohlene THC/CBD stellte er als hilfreiche, schnell wirksame Option bei bislang therapieresistenten spas­tischen Symptomen dar. „Erste Effekte sehen wir innerhalb der ersten drei Tage“, demonstrierte Köhler anhand von Fallbeispielen, und „stabile Effekte ab zehn Tagen.“

Schließlich zeigen deutsche, britische und spanische Registerdaten von etwa 700 Patienten keine neuen Sicherheitsbedenken der THC/CBD-Behandlung. So kommt es bei den Patienten offenbar weder gehäuft zu Stürzen noch zu einer Abhängigkeitsentwicklung oder anderen relevanten unerwünschten Ereignissen. JL

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