Migräne- plus Depressionsschwere | Neuro-Depesche 9/2018

Beide durch HF-rTMS signifikant verringert

Die (linksseitige) hochfrequente repititive transkranielle Magnetstimulation (HF-rTMS) des dorsolateralen Präfrontalkortex (lt-DLPFC) wirkt möglicherweise zentral antinozizeptiv. Daher könnte das Verfahren die Migräne und auch die komorbide Depression bessern. In der retrospektiven Analyse einer offenen Studie bei Migräne-Patienten mit Depression besserten sich beide Erkrankungen signifikant.

Die elf Männer und drei Frauen litten unter einer Migräne ohne Aura (gemäß der Kriterien der International Headache Society, ICHD) und unter einer Depression (Score auf der Hamilton Depression Rating Skala [HAMD] > 14). Vor der Stimulation wurden sie aufgefordert, in einem Kopfschmerztagebuch Häufigkeit (Anzahl der Tage) und -schwere (vierstufige Likert-Skala, 0 = kein Schmerz bis 3 = starker Schmerz) der Attacken festzuhalten. Die funktionelle Beeinträchtigung durch die Migräne wurde anhand des Migraine Disability Assessment (MIDAS) beurteilt, die Depressionsschwere anhand des HAMD-Scores.
Die Patienten unterzogen sich über drei Wochen 15 HF-rTMS-Sitzungen. Die Kopfschmerzschwere ging von 2,43 vor auf 1,50 nach den Sitzungen sowie auf 1,43 nach vier und nach acht Wochen zurück (vs. Baseline je p < 0,001). Die Kopfschmerzhäufigkeit hatte sich von 2,86 auf 1,93 zu allen Messzeitpunkten signifikant verringert (p = 0,006 nach den Sitzungen und nach vier Wochen; p = 0,001 nach acht Wochen). Der MIDAS-Score war nach den 15 Sitzungen sowie nach vier und acht Wochen von anfangs 21,14 auf 13,93, 14,01 und 14,07 signifikant zurückgegangen (je p < 0,001).
Zu Beginn der Therapie lag der HAMD-Score bei durchschnittlich 20,71 Punkten. Nach 15 Sitzungen war er auf 14,21, nach vier und nach acht Wochen auf 13,79 gesunken. Der Unterschied zu Baseline war jeweils signifikant (je p < 0,001). Fünf der 14 Teilnehmer (35,7%) erreichten dabei einen um mehr als 50% verringerten HAMD-Score und wurden als Responder eingestuft. Die Therapieeffekte auf Migräne und Depression blieben über das gesamte Follow-up bestehen. Relevante Nebenwirkungen wurden nicht berichtet. GS

Kommentar

Die parallelen und im Follow-up anhaltenden Besserungen von Migräne und Depression deuten darauf hin, dass der Wirkung der HF-rTMS kein Placebo-Effekt zugrundeliegt. Diskutiert werden eine Hemmung der Schmerzwahrnehmung durch Aktivierung supraspinaler Bahnen, eine Verringerung bzw. Aufhebung der fronto-limbischen Dysfunktion und eine Erhöhung der niedrigen b-Endorphin-Plasmaspiegel. Dass die Veränderung der funktionellen Beeinträchtigung durch Migräne nicht signifikant mit dem Rückgang des HAMD-Scores korrelierte, weist möglicherweise darauf hin, dass die Wirkungen auf Migräne und Depression voneinander unabhängig sind.


Quelle:

Kumar S et al.: The effects of repetitive transcranial magnetic stimulation ... Clin Psychoparmacol Neurosci 2018; 16: 62-66 e0198730 [Epub 20. Juni; doi. org/10.9758/cpn.2018.16.1.62]

ICD-Codes: G43.9

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