Was bringt die Eisensubstitution? | Neuro-Depesche 10/2018

Bei Vielen persistieren die Symptome

Zertifizierte Fortbildung

Bei RLS-Patienten mit niedrigen Eisenspiegeln sollte die Eisensubstitution aus naheliegenden Gründen die erste Maßnahme sein. Doch was passiert nach Normalisierung der Eisenkonzentrationen? Eine aktuelle Studie bei Patientinnen deutet darauf hin, dass die RLS-Symptome in vielen Fällen fortbestehen. Gibt es Risikofaktoren für die Persistenz?

39 Frauen mit RLS (14 bis 76 Jahre) und einem Eisenmangel (Serumferritin < 50 μg/l) erhielten eine dreimonatige orale Substitution mit zweimal täglich 256 mg Eisen-II-Sulfat plus 30 mg Ascorbinsäure und erreichten dadurch eine Normalisierung der Eisenkonzen-trationen und -speicher. 13 Frauen litten nach Beck Depression Inventory (BDI) unter mittelschweren bis schweren depressiven Symptomen, und zehn nahmen Antidepressiva ein. Über den Follow-up-Zeitraum von durchschnittlich 2,5 (±1,4) Jahren wurde bei allen der weitere klinische Verlauf dokumentiert.
Nur 15 Patientinnen berichteten keinerlei RLS-Symptome mehr. Die Mehrheit von 24 Frauen aber litt weiterhin unter RLS-Beschwerden. Die Rate an Remissionen (keine RLS-Symptome über mindestens sechs Monate) unter der Eisensubstitution betrug demnach 38,5%. Die Remissionsgruppe unterschied sich von der Persistenzgruppe in keinem der Baseline-Merkmale signifikant − mit Ausnahme einer längeren RLS-Dauer (4,00 vs. 11,69 Jahre) und einem niedrigeren Lebensalter bei der RLS-Diagnose (48,67 vs. 57,04 Jahre).
Der Einfluss dieser beiden Faktoren bestätigte sich in der logistischen Regressionsanalyse: Das relative Risiko einer Symptom-Persistenz war bei längerer Dauer der RLS-Symptome um 88% (Odds Ratio: 1,88) und bei höherem Lebensalter zum Zeitpunkt der RLS-Diagnose um 25% (OR: 1,25) erhöht. Andere Faktoren wie RLS-Schwere nach IRLS, Depressivität nach BDI, Antidepressiva-Einnahme, Schlafqualität nach PSQI etc. hatten auf das Persistenzrisiko keinen maßgeblichen Einfluss. JL
Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Nahezu zwei Drittel der erfolgreich oral eisensubstituierten RLS-Patientinnen litten weiterhin unter einer relevanten Symptomatik. Dass eine längere Krankheitsdauer ein wichtiger Risikofaktor für die Symptompersistenz war, spricht für eine frühzeitige Substitutionsbehandlung. Durch die intravenöse Eisengabe wurden in anderen Studien übrigens höhere Remissionsraten erzielt.


Quelle:

Bang YR et al.: Symptom persistence after iron normalization in women with restless legs syndrome. Psychiatry Investig 2018; 15(4): 390-5

ICD-Codes: G25.8

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