Familiäre Einflüsse auf den Verlauf? | Neuro-Depesche 11/2007

Behinderungsgrad ist nicht vorherzusagen

Bei der MS-Entstehung spielen sowohl genetische als auch Umwelteinflüsse eine Rolle. Inwiefern familiäre Faktoren den Phänotyp der Erkrankung beeinflussen, wurde nun retrospektiv an Eltern-Kind-Paaren und Geschwistern mit MS untersucht. Etliche Krankheitsmerkmale stimmten überein.

Bei 1083 Familien europäischer Herkunft mit mindestens zwei Verwandten ersten Grades, die an MS erkrankt sind, wurde nach Übereinstimmungen bzw. Unterschieden in Erkrankungsbeginn und -verlauf sowie im MS-Behinderungsgrad untersucht.

In allen Familien ergab sich für das Erkrankungsalter der Betroffenen eine Konkordanz, sowohl bei den Geschwistern (p < 0,001) als auch bei Eltern-Kind-Paaren (p < 0,03). Die Krankheitsdauer war allerdings nur bei den Geschwisterpaaren konkordant. Auch in den Verlaufs­typen ähnelten sich nur die verglichenen Geschwister signifikant. Dies galt für alle MS-Formen, also rezidivierend-remittierend, sekundär progredient und primär progredient.

Keinerlei Übereinstimmungen dagegen bestanden in den Schweregraden der Behinderung nach EDSS-basierter Einschätzung. Ob Vater oder Mutter an MS erkrankt war, spielte für das MS-Risiko der Kinder ebenfalls keine maßgebliche Rolle.

Insgesamt scheinen, so die Auffassung der Autoren, genetische Dispositionen wichtiger zu sein als von der Familie geteilte externe Faktoren.

Für die Beratung betroffener Familien ist von besonderer Bedeutung, dass der Schweregrad der Multiplen Sklerose offenbar nicht familiär gebunden ist, das heisst, dass der Einzelne aus dem Zustand seiner betroffenen Verwandten keine Rückschlüsse auf seine zu erwartende Behinderung ziehen darf.
Quelle: Hensiek, AE: Familial effects on the clinical course of multiple sclerosis, Zeitschrift: NEUROLOGY, Ausgabe 68 (2007), Seiten: 376-383

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