Review und Metaanalyse zu MS-Patienten

Neuro-Depesche 5/2016

Behandlung von Depression und Angst

Zertifizierte Fortbildung

MS-Patienten leiden zu einem außergewöhnlich großen Maß an depressiven und Angststörungen. Kanadische Wissenschaftler untersuchten in einer systematischen Übersicht und Metaanalyse die Aussichten einer medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlung dieser beiden psychiatrischen Komorbiditäten.

Die Suche in Medline, EMBASE, PsycINFO, PsycARTICLES Full Text, Cochrane Central Register of Controlled Trials, CINAHL, Web of Science und Scopus ergab bis März 2015 nur 13 kontrollierte geeignete klinische Studien bei MSPatienten. Anhand der gepoolten Daten wurde die Standardized mean difference (SMD) berechnet (0,20 = kleiner, 0,50 = mittlerer, 0,80 = großer Therapieeffekt).
Die Dauer der rein medikamentösen Behandlung (15,4%) oder der reinen Psychotherapie (76,9%; zumeist CBT) betrug sechs bis 16, median 12 Wochen. Die Depressionsschwere nach etablierten Skalen wie Beck Depression Inventory, Hamilton Rating Scale for Depression, Hospital Anxiety and Depression Scale etc. verringerte sich in den neun Psychotherapiestudien (n = 307) deutlich, die SMD lag bei -0,45 (95%-KI: -0,74 bis -0,16). Auch in den drei Pharmakotherapiestudien (n = 165) nahm die Schwere der depressiven Symptome erheblich ab (SMD: -0,63; 95%-KI: -1,07 bis -0,20). Die drei Studien zur (psychotherapeutischen) Behandlung depressiver MS-Patienten mit Angstsymptomen ergaben dagegen keine signifikanten Besserungen der Angst (SMD: -0,34; 95%-KI: -0,84 bis +0,15). In einer Studie zur Spritzenphobie fand sich immerhin eine tendenzielle Besserung (p = 0,058). Die mediane Drop-out-Rate war zwischen den Behandlungs- und den Kontrollarmen mit 11,6% und 14,6% vergleichbar. Für die nur in wenigen Studien untersuchte Fatigue ergab sich nur unter der Pharmakotherapie eine signifikante Reduktion.
Nach dem GRADE-System ist die Evidenz für die Besserung der depressiven Symptome durch die Pharmako- bzw. Psychotherapie „mittelgradig“. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Kommentar

Depression und Angst können unter anderem die MS-typische Fatigue verstärken, einen negativen Effekt auf die Adhärenz mit der Medikation haben und die Lebensqualität insgesamt verschlechtern. Diese Metaanalyse zeigt, dass die gängigen medikamentösen und psychotherapeutischen Behandlungen der Depression durchaus auch bei MS-Patienten wirksam sind. Für eine Beurteilung der Wirksamkeit auf die Angst waren die Daten unzureichend.

Quelle:

Fiest KM et al.: Systematic review and metaanalysis of interventions for depression and anxiety in persons with multiple sclerosis. Mult Scler Relat Disord 2016; 5: 12-26

ICD-Codes: G35
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