American Epilepsy Society

Neuro-Depesche 1-2/2021

Behandlung des refraktären konvulsiven SE

Zertifizierte Fortbildung
Ein tonisch-klonischer Status epilepticus (SE) persisitiert bei etwa einem Drittel der Patienten trotz Gabe eines Benzodiazepin-Bolus und eines Antiepileptikums. Die Patienten mit einem chronisch-refraktären SE (CRSE) sterben oft oder tragen Schäden davon. Die American Epilepsy Society (AES) übeprüfte nun bei Patienten mit CRSE anhand der Studienlage die aussichtsreichsten Behandlungsmöglichkeiten.
Ausgewertet wurden Studien zu i.v.- Drittlinientherapien des CRSE bei Kindern und Erwachsenen mit Brivaracetam (BRV), Ketamin (Ket), Lacosamid (LCS), Levetiracetam (LEV), Midazolam (MDZ), Pentobarbital (PTB und Thiopental), Propofol (PRO) und Valproat (VPA) sowie mit adrenokortikotropem Hormon (ACTH), Kortikosteroiden, i.v. Immunglobulin (IVIg), Magnesiumsulfat (MgSO4) und Pyridoxin.
Die Autorengruppe listet für die Wirkstoffe bzw. Antiepileptika (AED) bei den verschieden SE-Formen detailliert zahlreiche Studienresultate auf. Die ernüchternde Zusammenfassung beim CRSE lautet wie folgt (hier dargestellt mit Fokus auf Erwachsene):
 
Größtenteils unzureichend
Die Evidenz für die Beendigung eines klinischen CRSE mit BRV, LCM, LEV, VPA, KET, MDZ, PTB und PRO (entweder als letztes AED oder vs. andere AED) ist größtenteils unzureichend. Die Details:
KEINE ausreichenden Beweise für die Wirksamkeit bei CRSE liegen vor:
für BRV bei Erwachsenen (Level U; 4 Klasse IV-Studien), für Ketamin bei Erwachsenen (und Kindern) (Level U; 25 Klasse-IV-Studien), für LEV bei Erwachsenen (Level U; 2 Klasse-IV-Studien), für MDZ als letztes hinzugefügtes ASM (Level U; 29 Klasse-IVStudien), für PRO als zuletzt verwendetes AED (Level U; 26 Klasse-IV-Studien), für PTB als letztes hinzugefügtes AED bei Erwachsenen und Kindern (Level U; 42 Klasse- IV-Studien).
KEINE ausreichende Evidenz liegt vor für die Wirkgleichheit von
MDZ-Infusion und PRO (Level U; 1 Klasse- III-Studie), von niedrig und hoch dosierten MDZ-Infusionen (Level U; 1 Klasse-IIIStudie), von PTB und PRO (Level U; 1 Klasse- III-Studie).
Es ist laut AES möglich, dass
LCS einen CRSE stoppt (Studien der Stufe C; 2 Klasse-III-, 14 Klasse-IV-Studien).
Praktisch kein Daten für
ACTH, IVIg, Kortikosteroide, MgSO4 und Pyridoxin, die in speziellen Situationen verwendet wurden, aber nicht bei CRSE. Ob die bei SE (nicht bei CRSE!) wahrscheinlich vergleichbare Wirksamkeit von LEV, VPA und Fosphenytoin auch auf Patienten mit CRSE zutrifft, ist unbekannt. Für VPA bei Erwachsenen liegen im Übrigen keine Studien der Klassen I bis III vor.
Angesichts der unbefriedigenden Datenlage fordern die Autoren geblindete, randomisiert- kontrollierte Studien. JL


Hinweis: Dieser Artikel ist Teil einer CME-Fortbildung.

Quelle: Vossler DG et al.: Treatment of refractory convulsive status epilepticus: a comprehensive review by the American Epilepsy Society Treatments ... Epilepsy Curr 2020; 20(5): 245-64
ICD-Codes: G40.9
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