Neuro-Depesche 3/2018

Schon im Vorschulalter

Basalganglien-Strukturen bei ADHSKranken deutlich kleiner

Bei Kindern mit einer ADHS finden sich regelmäßig veränderte Hirnstrukturen, doch die meisten dieser Untersuchungen wurden bei Kindern und Jugendlichen im Schulalter durchgeführt. In Baltimore haben Neurologen und Psychiater dies jetzt bei nicht-behandelten Mädchen und Jungen im Vorschulalter gemessen. Sie fanden heraus, dass die subkortikalen Hirnvolumina schon früh verkleinert sind.

Die hochaufgelöste T1-gewichtete MRT-Aufnahmen (3 Tesla; 3D MPRAGE) wurden angefertigt bei 87 Kindern im Alter zwischen vier und fünf Jahren, 55 (63%) waren Jungen. 47 Kinder litten nach modifizierten DSM-IV-Kriterien unter einer ADHS, die 40 unauffällig entwickelten Kinder dienten als Kontrollen. Kein Teilnehmer wurde mit ADHS-Medikamenten (oder anderen Psychopharmaka) behandelt.
Automatisch quantifiziert wurden die Volumina der subkortikalen „Regions of Interest“ Nucl. caudatus, Globus pallidus, Putamen und Thalamus. Außerdem wurde die ADHS-Symptomschwere nach strukturierten psychiatrischen Interviews und der Conners‘ Parent Rating Scales - Revised (CPRS) erfasst.
Gegenüber der Kontrollgruppe zeigte das ADHS-Kollektiv signifikant kleinere Gesamthirnvolumina (p = 0,010) Außerdem wiesen die kleinen ADHS-Patientinnen und -Patienten deutlich reduzierte subkortikale Hirnvolumina auf: Am größten waren die Unterschiede im Nucl. caudatus (p = 0,008; d = 0,52), Globus pallidus (p = 0,031, d = 0,44) und Thalamus (p = 0,001; d = 0,62), während die Differenz im Putamen keine Signifikanz erreichte (p = 0,270; d = 0,25).
Im Allgemeinen wiesen alle Mädchen vs. alle Jungen signifikant kleinere Gesamthirnvolumina auf (p = 0,002). Die Unterscheide zwischen Mädchen mit und ohne ADHS fielen mit mittleren bis großen Effektstärken im Nucl. caudatus (p = 0,034; d = 0,81) und im Thalamus (p = 0,007, d = 1,20) signifikant (und im Globus pallidus nicht-signifikant (p = 0,203, d = 0,44) aus. Die Volumina des Putamens unterschieden sich zwischen den Mädchen mit und ohne ADHS nicht (p = 0,937, d = 0,03). Bei den Jungen mit und ohne ADHS verfehlten all diese Zusammenhänge die Signifikanz (je p > 0,05), doch dies schreiben die Autoren eher den kleinen Gruppengrößen zu, da die Größenunterschiede in allen Basalganglienstrukturen immerhin mittlere Effektstärken aufwiesen (d: 0,43–0,53).
Wie postuliert, stand die Volumenreduktion im Zusammenhang mit der Schwere der ADHS-Symptome nach Angaben der Eltern (CPRS) – allerdings erneut nur bei den 16 Mädchen: Die Korrelation war signifikant für das Putamen und die allgemeine Symptomschwere (r = -0,582; p = 0,018) sowie für die Schwere der Unaufmerksamkeit (r = -0,553, p = 0,026). Die kleineren Thalamus-Volumina korrelierten mit der allgemeinen Symptomschwere (r = -0,548, p = 0,028) und der Hyperaktivität/Impulsivität (r = -0,517, p = 0,040). Bei den Jungen ergab sich für diese Zusammenhänge keine Signifikanzen (je p > 0,29). JL

Kommentar

Bei diesen Vorschulkindern wurden eindeutig kleinere Basalganglien festgestellt. Die größeren Volumenverringerungen bei den Mädchen stehen im Gegensatz zu den Befunden bei Schulkindern, bei denen die subkortikalen Reduktionen in der Regel bei den Jungen schwerer ausgeprägt waren. Dies legt nahe, dass bei der kindlichen ADHS in der neuroanatomischen Entwicklung Geschlechterunterschiede bestehen. Die frühen subkortikalen Anomalien könnten die späteren kortikalen (bes. frontalen) und zerebellären Veränderungen fördern.


Quelle:

Rosch KS et al.: Reduced subcortical volumes among preschool-age girls and boys with ADHD. Psychiatry Res 2018; 271: 67-74



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ICD-Codes: F90.0

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